Predigt vom Sonntag, 5. Juli 2020

 Predigt am 4. Sonntag nach Trinitatis                             Schorndorf, 5. Juli 2020
 Epheser 6,10-20                                                             Missionsinspektor Stefano Fehr


Gnade sei mit uns - und Friede, von Gott unserem Vater
und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird.
Amen!


Der Wochenspruch zum 4. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest steht Galater 6,2
    „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Liebe Gemeinde,
der Apostel Paulus schreibt uns von einer speziellen sogenannten geistlichen Waffenrüstung,
die er uns Christen zum täglichen Gebrauch geschenkt hat. Es lohnt sich sehr, sich mit diesem Geschenk Gottes an uns zu beschäftigen. Von dieser Rüstung, die uns gegeben wurde, möchte ich uns nun lesen.

Der Predigttext steht im Brief des Paulus an die Epheser, in Kapitel 6:
    10     Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.
    11     Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt
             gegen die listigen Anschläge des Teufels.
    12     Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen,
             sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt,
             die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.
    13     Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes,
             damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten
             und alles überwinden und das Feld behalten könnt.
    14     So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit
             und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit,
    15     und an den Beinen gestiefelt,
             bereit, einzutreten für das Evangelium des Friedens.
    16     Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens,
             mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen,
    17     und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes,
             welches ist das Wort Gottes.
    18     Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu
             mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen
    19     und für mich, dass mir das Wort gegeben werde, wenn ich meinen Mund auftue,
             freimütig das Geheimnis des Evangeliums zu verkündigen,
    20     dessen Bote ich bin in Ketten, dass ich mit Freimut davon rede, wie ich es muß.

                                Worte des lebendigen Gottes - Amen.

Liebe Gemeinde,
es heißt hier: „Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.“ Man könnte diesen Vers auch folgendermaßen übersetzen: „Lasst euch vom Herrn Kraft geben, lasst euch stärken durch seine gewaltige Macht!“ Es heißt hier eben nicht: Seid stark, reißt euch zusammen und bemüht euch jetzt endlich, in eurem Alltag selbst stark zu sein.
Nein, es ist für mich so tröstlich. Es heißt: Lasst euch stärken. Der Handelnde sind nicht wir,
sondern, der, der an uns handelt, ist Gott. Er stärkt uns. Wir dürfen ihn bitten, uns durch seine gewaltige Macht zu stärken. Wir dürfen gestärkt werden, weil wir wissen, dass Gott unendliche Macht hat, uns beizustehen und auszurüsten.

Manchmal fühlen wir uns schwach. Manchmal haben wir den Eindruck, als ob wir uns in einer geistlichen Schlacht befinden. Und Paulus schreibt hier im Epheserbrief von der Rüstung, die wir als Christen für die Schlacht erhalten. Der Kampf, in dem wir stehen, so schreibt hier Paulus, ist aber nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen unsichtbare Mächte. Wir kämpfen gegen den Widersacher Gottes, dem es nicht gefällt, dass wir Kinder Gottes sind. Angriffe erleben wir oftmals in geistlichen Dingen. Da ist Versagen, also Sünde in unserem Leben, und dann kann auf einmal ein Gedanke auftauchen: Ich bin so schlecht. Gott will mich so nicht. Ich habe so versagt, Gott wird mich deshalb fallen lassen. Bei diesen Angriffen benötigen wir die Waffen-rüstung Gottes. Der Apostel Paulus hat bei seiner Beschreibung der geistlichen Waffenrüstung einen römischen Legionär vor Augen.

1. Das erste, von dem Paulus hier schreibt, ist der Gürtel der Wahrheit.
Zuerst muss der römische Soldat sein Untergewand anziehen. Dieses Gewand wird mit einem Gürtel fest-gemacht. Am Gürtel hängt auch das Schwert. Der Gürtel war für den römischen Soldaten immens wichtig, denn ohne das Schwert konnte er nicht kämpfen. Mit dem Gürtel, an dem das Schwert hing, wurde das Gewand hochgeschürzt und festgehalten, sodass es beim Laufen und Kämpfen nicht hinderlich war.
Der Gürtel, der unser ganzes Leben durchziehen und gewissermaßen zusammenhalten muss, ist die Wahrheit. Wie schnell besteht die Gefahr, dass wir uns selbst belügen? Fehlverhalten bei anderen wird von uns bemerkt und oft auch benannt, aber wie sieht es mit meinem eigenen Verhalten aus? Oftmals wird das, was ich bei meinem Mitmenschen als falsch ansehe, bei meinem eigenen Verhalten nicht mehr als Problem wahrgenommen. Hier hilft der Gürtel der Wahrheit. Ich muss mich als Sünder wahrnehmen. Mich so sehen, wie Gott mich sieht, und ich darf mich durch das, was Jesus Christus für mich getan hat, reinigen lassen. Meine Sünde soll bereut und vor Gott benannt werden. Dann ist Gott treu und gerecht und wird meine Sünde vergeben.

2. Das zweite, was wir benötigen, ist der Brustpanzer der Gerechtigkeit.
Der Brustpanzer des römischen Soldaten war für ihn extrem wichtig. Es galt, die inneren Organe, die lebensnotwendig sind, zu schützen. Eine Verletzung durch ein Schwert oder eine andere Waffe eines Feindes führte in der Regel zum Tod. Diese Tatsache überträgt Paulus jetzt auf uns Christen. Der Brustpanzer der Gerechtigkeit ist für uns absolut lebensnotwendig. Wir begreifen, dass wir vor Gott gerecht sein sollen. Und dann verzweifeln wir, weil wir begreifen, dass wir es nicht sind. Dies war eine der großen Erkenntnisse von Martin Luther. Er war immer auf der Suche nach einem barmherzigen Gott, weil er verstanden hatte, dass er selbst dem Anspruch Gottes nach Gerechtigkeit nicht genügen konnte. Der Brustpanzer der Gerechtigkeit bedeutet für uns: Wir verlassen uns nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern darauf, dass Jesus Christus unsere Sünde vergeben hat und uns dadurch gerecht macht. Wir verlassen uns auf die Gerechtigkeit, die Gott uns schenkt, nicht auf unseren Versuch, selbst vor Gott gerecht sein zu können.

3. Was auch zur Rüstung dazugehört, ist,
das Schuhwerk der Bereitschaft das Evangelium weiterzugeben.
Für einen römischen Legionär war gutes Schuhwerk entscheidend wichtig. Für lange Märsche über Stock und Stein kam es auf gute Schuhe an. Manchmal haben wir vielleicht die Haus-schuhe der Gleichgültigkeit an, oder wir tragen die Laufschuhe der Angst. Auch die Stöckel-schuhe des Stolzes sind beliebt. Wir sollen aber die Schuhe der Bereitschaft, das Evangelium weiterzugeben, tragen. Bitten wir doch Gott darum, uns immer wieder diese Bereitschaft zu schenken, auch in unserem Alltag, da, wo wir uns tagtäglich befinden, Sein Wort weiterzugeben.

4. Paulus schreibt auch vom Schild des Glaubens. Der römische Soldat hatte ein Langschild zur Verfügung. Er ist so groß, dass man sich dahinter verstecken kann. Das Vorhandensein eines Schildes verhindert zwar nicht das Fliegen der brennenden Pfeile, aber es stellt sicher, dass sie keinen Schaden anrichten können. Unser Glaube, den Gott uns selbst schenkt, ist der Schild, der uns vor Angriffen bewahrt. Im Übrigen heißt es z. B. in Sprüche 30,5: „Ein Schild ist er denen, die bei ihm Zuflucht suchen.“ Auch in verschiedenen Psalmen gibt es viele Hinweise, dass Gott selbst unser Schild sein will. Gott selbst will uns bewahren und beschützen.

5. Auch der Helm der Rettung gehört zur Waffenrüstung.
Wir dürfen uns unseres Heils gewiss sein. Wir haben Heilsgewissheit. Wir dürfen sicher sein, dass wir aufgrund dessen, was Gott für uns getan hat, wir eines Tages bei Gott in Ewigkeit sein werden. Manchmal können wir Menschen uns unseres Heils allerdings unsicher werden.
Dann sollten wir den Helm des Heils aufsetzen, und uns wieder bewusstmachen, dass wir wirklich gerettet sind und Heilsgewissheit haben.

6. Das letzte ist das Schwert des Wortes Gottes.
Das Schwert ist die einzige echte Waffe von der wir in der geistlichen Waffenrüstung lesen.
Das Wort Gottes ist wie ein Schwert, mit dem wir uns verteidigen können. Wie verteidigen wir uns mit dem Wort Gottes? Wir können das am besten bei den Geschehnissen um die Versuchung Jesu beobachten. Jesus fastete 40 Tage in der Wüste. Dann versucht ihn der Teufel. Jesus begegnet der Versuchung nicht indem er mit Logik oder Erklärungen antwortet, sondern er beantwortet alle Versuchungen des Teufels mit Worten der Bibel. Wir lesen dann immer: „Es steht geschrieben ...“
Das Wort Gottes hilft uns, uns zu schützen. Wenn uns Bibelkenntnis abhanden kommt, verlieren wir das Schwert zur Verteidigung vor Angriffen. Das Lesen des Wortes Gottes hilft uns, uns zu schützen. Auch im Alltag, auch zu Hause. Das Schwert des Geistes, also die Worte der Bibel, sind oft das Einzige, was bei eichten Problemen noch wirkliche Hilfe bietet. Bei schlimmen Krankheiten, bei Verlust geliebter Menschen oder im Sterben, kann keine Logik, oder mensch-licher Rat mehr helfen, sondern nur noch das Wort Gottes, mit dem ich vertraut bin.


Paulus endet seine Ausführungen über die geistliche Waffenrüstung
mit einem glühenden Plädoyer fürs Gebet.
Er schreibt: 18. „Betet allezeit mit Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit im Gebet für alle Heiligen 19. und für mich, dass mir das Wort gegeben werde, wenn ich meinen Mund auftue, freimütig das Geheimnis des Evangeliums zu verkündigen,“
20. dessen Bote ich bin in Ketten, dass ich mit Freimut davon rede, wie ich es muss.“
Paulus bittet die Leser in Ephesus, inständig für ihn zu beten, da er das Evangelium weitergibt. Wir erkennen, wie wichtig es ist, die, die im Verkündigungsdienst stehen, im Gebet zu unterstützen. Somit sind wir, die wir im Gebet einstehen, ein Teil der Waffenrüstung für die, die ohne Unterlass das Evangelium – auch manchmal unter Gefahren – weitergeben.

Wir dürfen wissen: Gott will uns stärken.
Wir müssen nicht aus eigener Kraft krampfhaft versuchen, ein guter Christ zu sein, sondern wir dürfen Gott bitten, uns zu stärken. Wir dürfen wissen, wir haben den Schild des Glaubens. Gott selbst will uns bewahren vor äußeren und inneren Problemen. Und vergessen wir nicht das Schwert des Wortes Gottes und das Gebet.
Dann wird Gott uns stärken, und wir sollten auch nie vergessen: Gott ist es, der, der uns durchbringen wird bis zum Ende. Nicht wir sind es. Gott hat alles unter seiner Kontrolle.                                                                                Amen!

Stefano Fehr, Missionsinspektor Evang. Karmelmission e.V.