Predigt am Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

Predigt am Sonntag Jubilate                                         Schorndorf, 3. Mai 2020
Johannes 15,1-8                                                           Pfr. Thomas Fuchsloch

Gnade sei mit uns - und Friede, von Gott unserem Vater
und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!

Der Wochenspruch zum Sonntag Jubilate steht 2. Korinther 5,17        
    „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur,
     das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

Der Predigttext für den Sonntag Jubilate steht im Johannes-Evangelium, Kap. 15:
Jesus Christus spricht:

  1      Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner.
  2      Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen;
          und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.
  3      Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
  4      Bleibt in mir und ich in euch.                         
          Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst,
          wenn sie nicht am Weinstock bleibt,     
          so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.
  5      Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
          Wer in mir bleibt und ich in ihm,
          der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
  6      Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt,
          und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen.
  7      Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben,
          werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
  8      Darin wird mein Vater verherrlicht,
          dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.  

Liebe Gemeinde,
- egal ob es sich um eine weiße Rebsorte handelt: ob Müller-Thurgau, Silvaner, Riesling,
    Ruländer, Kerner, Weißburgunder, Traminer oder Gutedel;
- egal ob es sich um eine rote Rebsorte handelt: ob Spätburgunder, Portugieser, Lemberger
    Schwarzriesling oder Trollinger;
- egal ob der Wein hinterher edel, fruchtig, leicht oder schwer, rassig,
    spritzig oder trocken schmeckt;
entscheidend wichtig für den Weingärtner ist letztlich, dass er möglichst viele Trauben abliefern und obendrein eine möglichst hohe Zahl an Wertigkeit, eine möglichst hohe Zahl an Öchslesgrad erreicht. Auf die Menge und den Zuckergehalt kommt's an; danach schaut d'r Wengerter, denn das bestimmt den Gewinn für Müh und Arbeit eines Jahres.
Schließlich muß die Arbeit sich ja lohnen. Denn wer sich für den Weinbau entscheidet, hat sich für ein Vielfaches Mehr an Arbeitsgängen entschieden als beim Anbau anderer Früchte.
Da wird nicht bloß gesät. Der Setzling muß ganz unter die Erde gepflanzt werden. Und später folgt dann Jahr für Jahr das Schneiden, das Reinigen, das Binden, das Auflockern der Erde.
In manchen Gegenden gehen zu bestimmter Zeit die Wengeter durch die Reihen und knicken die Reben, damit nicht so viel Saft ins Blätterwerk schießt; andere entfernen ein Teil des Laubes, um ein besseres Reifen zu ermöglichen.

Wenn nun Jesus dies Bild aufgreift und davon redet, dass er dem Weinstock und wir den Reben gleichen, sein Vater aber dem Weingärtner, so sagt er damit schlichtweg, dass sein Vater im Blick auf die Reben keine Mühe scheut damit wir Frucht bringen. Egal, welcher Rebsorte wir gleichen, der Vater als Weingärtner nimmt eine jede Rebe zur Hand - unzählige Mal zur Hand, um ihr die rechte Form zu geben, um zur Frucht zu verhelfen, damit nicht alle Lebenskraft ins Kraut verschießt, das hernach verwelkt.
Entscheidend ist das Bleiben, ist die Verbundenheit mit dem Weinstock - mit Jesus Christus. Wenn diese Verbindung zum Weinstock, zu Jesus, nicht da ist, dann ist das so, wie wenn ein Wengerter Trauben einkaufen und an seine vertrockneten Reben binden würde. Die wären schnell ausgetrocknet und schlecht.
        
Von den Reben, die Frucht bringen, sagt Jesus dann aber nicht etwa: „Der Weingärtner lobt sie!“ Sondern es heißt bereits schon in Vers 2: Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie noch mehr Frucht bringt! Dieses Reinigen aber bedeutet: Das Ausschneiden der gesunden Rebe, das Entfernen aller überflüssigen Teile.
Im Weinbau schneidet man junge Reben nach dem ersten Jahr bis auf 2 Augen zurück. Und es ist Gott, als der Weingärtner, der entscheidet, was überflüssig ist, nicht unsere Wünsche.
Zuweilen sind das tiefe, schwere Verluste und Entbehrungen, wenn wir mit menschlichem Maßstab messen. Und doch hat Gott als Ziel, dass die Rebe noch mehr Frucht bringt. Frucht auf Erden - und Ewigkeitsfrucht. Bei dem allem besteht ein gravierender Unterschied zwischen dem menschlichen und dem göttlichen Weingärtner: Der göttliche macht keine Fehler! Sein „Ausschneiden“ ist Gnade und Segen. Er wacht über die Reben. Er weiß auch um die Gefahren und weiß Abhilfe zu schaffen. Und Gefahren gibt es viele: Krankheiten, Frost, Hagel und Erdrutsch. Und so gibt es ins Geistliche übertragen
    - sowohl Kinderkrankheiten des Glaubens, wie Gesetzlichkeit oder Schwärmereien;
    - als auch zermürbende Entkräftigungen des Glaubens;
    - es gibt Zeiten der Glaubensunterkühlung,
    - es gibt Querschläge und erdrutschartige Bewegungen in unserer Nachfolge -
Das in den Griff zu bekommen, ist Sache des Weingärtners, wenn wir nur dranbleiben.


„Bleibt in mir“ meint nicht nur eine verschwommene Sympathie, sondern es geht um die persönliche Beziehung zu Jesus Christus im Gebet, im gemeinsamen Aufblicken und im Hören auf sein Wort. Da muss was rüber kommen! Daraus kann Frucht wachsen
    - wie das Trösten und Ermutigen mit seinem Wort;
    - da geht es um Wegweisung und Korrektur.
Im Galaterbrief des Paulus finden wir im 5. Kapitel sogar eine Aufzählung der von Gott gewirkten Früchte. Gewirkt durch den Heiligen Geist, weiß Paulus um die Frucht der Liebe, der Freude und des Friedens, die Frucht der Geduld und Freundlichkeit, Güte und Treue, Sanftmut und Keuschheit.
Als Frucht aus solch einer Jesus-Verbindung erwächst sicher auch ein gelingendes Miteinander: Ein vom Heiligen Geist bewegtes Miteinander, in dem man verzeiht und für sich selber Vergebung annimmt; in dem man gemeinsam nach Gottes Willen fragt und sich gemeinsam an seinem Wort orientiert. Ein Miteinander, das dadurch getragen ist, dass wir alle ohne Ausnahme, als die Reben gemeinsam mit dem Weinstock verbunden sind. Und so von Ihm die Kraft empfangen, die wir nur von Ihm bekommen können. Denn ohne Gott - ohne Seinen Segen könnten wir keine Frucht schaffen, die Ihm gefallen würde.

Und dann gehört für mich zur Frucht des Glaubens noch etwas ganz besonderes: nämlich die Heiligung. Heiligung bedeutet, dass Jesus durch den Heiligen Geist nicht nur an uns wirken, sondern in uns hinein darf. Dass Jesus Christus in meinem Leben nicht nur eine Dachkammer oder einen Abstellraum bekommt, sondern in meinem Leben so Raum gewinnt, dass ER in mir wohnen und wirken kann. Gerade so wie es in einem Kindergebet heißt: „Ich bin klein, mein Herz mach rein; es soll niemand drin wohnen, als Jesus allein!“ Für solch eine lebendige Beziehung, steht eben auch das Bild von den fruchtbringenden Reben. Es hängt alles ab vom Bleiben der Reben am Weinstock.

Jesus sagt es ganz klar: „Bleibt in mir!“ Als ob wir schwerhörig wären, fordert Jesus in den Versen 4 bis 10 uns gleich 7 mal dazu auf: Bleibt, bleibt, bleibt ....... bleibt in mir und ich in euch! Obwohl Jesus seinen Jüngern in dieser Abschiedsrede es ans Herz gelegt hat, sich an ihn zu halten, an ihm festzuhalten, an ihm zu bleiben, haben sie sich hinterher doch schwer getan. Nach seiner Auferstehung musste Jesus immer wieder neu auf sie zugehen:
    - Sei es auf dem Weg nach Emmaus
    - im Gespräch mit dem Petrus
    - oder bei der Begegnung am See Genezareth beim Fischfang.
Ist das auch ein Signal an mich? Gibt es einen Grund, warum Jesus auch mich wiederholt erinnern muss dran zu bleiben:
    - dran bleiben am Gebet?
    - dran bleiben an seinem Wort?
    - dran bleiben im Glauben wachsen zu wollen?                       

Auch der Vater, als der Weingärtner, scheut keine Mühe! Ihm ist kein Handgriff zu viel, uns zur Frucht zur verhelfen:
- egal von welcher (Reb-)Sorte wir sind: ein Riesling- oder eher ein Trollinger-Gemüt haben;
- egal welchen Charakterzüge unser Christsein ausmacht: ob weitgehend lieblich und edel
   oder ob wir eher rassig, spritzig oder trocken sind - entscheidend ist, dass wir an Jesus
   bleiben und ER in uns, damit der Vater verherrlicht wird,
      - indem wir viel Frucht bringen
      - und als Jesu Jünger seinen Segen empfangen!  Amen!