Predigt am Sonntag Exaudi, 24. Mai 2020

Predigt am Sonntag Exaudi                                          Schorndorf, 24. Mai 2020
Jeremia 31,31-34                                                          Pfr. Thomas Fuchsloch


Gnade sei mit uns - und Friede,
von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!

Der Wochenspruch zum Sonntag Exaudi steht im Johannesevangelium 12,32    
    
„Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde,
     so will ich alle zu mir ziehen.“

Der Predigttext für den Sonntag Exaudi steht im Buch des Propheten Jeremia, Kap. 31:
31     Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR,
         da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda
         einen neuen Bund schließen,
32     nicht wie der Bund gewesen ist,
         den ich mit ihren Vätern schloss,
         als ich sie bei der Hand nahm,
         um sie aus Ägyptenland zu führen,
         ein Bund, den sie nicht gehalten haben,
         ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;
33     sondern das soll der Bund sein,
         den ich mit dem Hause Israel schließen will
         nach dieser Zeit, spricht der HERR:
         Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben,
         und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.
34     Und es wird keiner den andern
         noch ein Bruder den andern lehren und sagen:
         »Erkenne den HERRN«,
         sondern sie sollen mich alle erkennen,
         beide, klein und groß, spricht der HERR;
         denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben
         und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.
                                Worte des lebendigen Gottes - Amen.

Liebe Gemeinde,
immer dann, wenn wieder einaml Wahlen anstehen, ist viel von ihr die Rede:
Von der sogenannte Wende.
In reißerischen Werbereden wird sie verheißen und versprochen; programmatisch fest-geschrieben, auf Handzetteln und Plakaten unters Volk gebracht. Die Wende zum Besseren wird prophezeit, mit spitzfindigen Analysen und Prognosen garniert. Und das von allen Parteien, egal ob sie an der Regierung sind oder an die Regierung wollen.

Nicht selten wird in dunkelsten Farben ein riesiges Krisenzenario an die Wand gemalt, um sich dann als der beste Krisenmanager anzupreisen. Die Werbetrommel wird kräftig gerührt,
denn am Ende kann nur gewinnen, wer die meisten Stimmen auf sich vereint.

Von einer Wende aus der Krise spricht auch der Prophet Jeremia!
Wenn auch von einer Wende ganz anderer Art: Ohne Konkurrenz - ohne Sieger und Verlierer
- keiner soll auf der Strecke bleiben!
„Krisenzeit ist Wendezeit!“ - so lautet Gottes Programm. Das ist Gottes Regierungserklärung
an sein Volk. Gott bietet die Wende an.

Allerdings hatte sein Volk ihn, ihren, Gott abgewählt. Den schönfärberischen Werbereden
anderer Götter waren sie gefolgt und hatten darüber Gott vergessen. Das „Mene Tekel“ musste gar nicht mehr prophezeit werden, es stand schon an der Wand. Dabei hatte Gott für sie eigentlich die Freiheit gewollt. Deshalb hatte er sie aus Ägypten geführt. Sein Geleit und seine Gebote sollten ihnen helfen, Freiheit und Menschlichkeit zu bewahren. Sie aber haben die Verbindung gekappt, das verbindliche Leben aufgegeben. Sie gingen ihre eigenen Wege:
herzlos, lieblos, trostlos und letztlich hilflos - und das Herzeleid wurde immer größer.

Doch mitten in dieser Krise meldete sich Gott mit einem einzigartigen Programm zu Wort:
Mit dem Angebot eines neuen Bundes - und damit verbunden mit dem Angebot eines neuen Herzens! Und dabei ist ER keineswegs herzlos
    - denn ER lässt uns nicht in quälender Ungewissheit,
    - ER hat sich eindeutig festgelegt,
    - durch das Blut Seines Sohnes hat er diesen Bund dann auch unterzeichnet,
    - ER ist nicht halbherzig, wenn es um unser Herz geht.
Und es geht um unser Herz - genauer gesagt, um das, was unser Herz erfüllt. Verliebte können ein Lied davon singen. Wovon das Herz voll ist, das muss der Mund ausplaudern.
Doch im Herzen haust nicht nur die Liebe - schön wäre es. Da sitzt auch die Ursache unserer
Lieblosigkeit und Kraftlosigkeit, Rastlosigkeit und Charakterlosigkeit.
- Sicher können wir manchmal den Höflichen spielen und nur Artiges über die Lippen bringen. - Sicher können wir zuweilen diplomatisch vorgehen und nur Berechnendes weitersagen.
- Sicher können wir eine Zeitlang den Mund halten und stumm in der Runde sitzen.
Doch irgendwann in einer schwachen Minute bricht es heraus, da plaudern wir die Jämmerlichkeit aus. Da haben wir uns nicht mehr im Zügel und schon sind wir zügellos.
Und dann sind wir auch schnell herzlos, lieblos, hilflos, trostlos. Da nützt auch alles Vornehmen nichts, nützt alles Einreden nichts. Ich kann mit noch so viel Kirschwasser
einen Zwetschgenbaum gießen - deshalb wachsen darauf trotzdem keine Kirschen.

Was wir brauchen ist immer wieder eine grundlegende Erneuerung; immer wieder von Neuem
einen verlässlichen Inhalt, einen festen Halt. Wir brauchen keine Rosskur frommer Übungen und Pflichten. Wir brauchen keine Selbstzerknirschung, sondern Raum für den Heiligen Geist.
Gemäß diesem neuen Bund ist Jesus Christus dann auch nicht die Treuhandanstalt Gottes
zur Abwicklung sanierungsbedürftiger Fälle. Sondern - durch Christus schafft Gott Neues - Neuanfänge. Und der Heilige Geist wird dabei zur treibenden Kraft.

Gewiss - wir haben Grund genug zur Skepsis, bei allem was uns als „Neu“ verkauft wird.
Die Werbung hat uns längst abstumpfen lassen. Was wird uns nicht alles als neu unter-gejubelt und dabei ist's doch bloß Altes, in neuer Verpackung.

Gewiss - auch der neue Bund hat sich noch nicht durchgesetzt. Noch ist die Erde nicht erfüllt von Gotteserkenntnis. Noch haben wir alle die Lehre, die Korrektur und den Trost durch andere durchaus nötig. Noch sind unser Wille und der Wille Gottes nicht völlig eins geworden.
Noch leben wir als Christen inmitten von Menschen, die von Gott nichts wissen wollen.
Und doch bleibt nichts beim Alten, wo der Heilige Geist wirken darf, wo Gott seine Verheißung wahr machen und Schuld vergeben darf.
Da bleibt nichts beim Alten, wo Menschen aus der Krise zur Wende kommen,
    - weil sie zu Herzen gehende Worte erfahren.
    - weil sie beherzten Mitchristen begegnen,
    - weil sie Herzlichkeit erfahren.

Mit dem Predigttext im Ohr, dem Alltag auf der Lauer, sollten wir versuchen Halbherzigkeiten zu vermeiden. Wenn wir Christus in unserem Innersten Raum geben, kommen unsere Lieder und Taten nicht nur von Herzen - sie gehen auch zu Herzen.

Gottes neuer Bund greift bei denen, die sich von Christus ergreifen lassen.
Amen!