Predigt vom Sonntag, 24. Januar 2021

Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanias            Schorndorf, 24. Januar 2021
Ruth 1,1-19a                                                        Pfr. Thomas Fuchsloch


Gnade sei mit uns - und Friede, von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!


Der Wochenspruch zum Ewigkeitssonntag steht im Lukasevangelium 13,29
    „Es werden kommen von Osten und Westen, von Norden                 
     und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“

Der Predigttext steht im Alten Testament, im Buch Ruth, im 1. Kapitel:                  
01 Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande.
     Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter,
     um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen.
02 Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon;
     die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda.
     Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort.
03 Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen.
04 Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Ruth.
     Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten,
05 starben auch die beiden, Machlon und Kiljon.
     Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann.
06 Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern
     und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück;
     denn sie hatte erfahren im Moabiterland,
     dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte.
07 Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war,
     und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr.
     Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren,
08 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern:
     Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter!
     Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt.
09 Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause!
     Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten
10 und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen.
11 Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen?
     Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben,
     die eure Männer werden könnten?
12 Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann
     zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann
     gehörte und Söhne gebären würde,
13 wolltet ihr warten, bis sie groß würden?
     Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter!
     Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen.
14 Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr.
     Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Ruth aber ließ nicht von ihr.
15 Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott;
     kehre auch du um, deiner Schwägerin nach.
16 Ruth antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen
     und von dir umkehren sollte.
     Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.
     Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.

17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden.
     Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.
18 Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden.
19 So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.
                                                      Worte des lebendigen Gottes - Amen.

Liebe Gemeinde,
als Ausgangsort ist Bethlehem benannt. Elimelech und Noomi stammten aus Bethlehem, also dem Ort, dessen Name wörtlich übersetzt Haus des Brotes - oder kurz „Brothausen“ bedeutet. Und ausgerechnet in Bethlehem, in „Brothausen“ , gab es eine Hungersnot, weshalb diese beiden jungen Eheleute auswanderten. Das war keineswegs außergewöhnlich: Schon Sarah und Abraham waren in Hungersnot nach Ägypten gezogen. Und auch Jakob suchte Getreide in Ägypten zu kaufen, wo sein Sohn Josef vorgesorgt hatte, nachdem er als Sklave dorthin verschleppt worden war.
Doch zurück zu unserer Geschichte. Im Land der Moabiter kamen sie zwar zurecht. Aber dann gab es andere persönlich Nöte. Am Ende kehrte Noomi mit ihrer Schwiegertochter Ruth zurück nach Bethlehem. Und Ruth wurde zur Urgroßmutter des König Davids - und wird gleich im 1. Kapitel des Matthäusevangeliums im Stammbaum Jesu mit Namen erwähnt.
Und von dieser Ruth stammt die markante Aussage, die schon manche junge Paare als Trau-spruch gewählt haben: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott“  (Vers 16).
Wie aber kam es, dass eine Heidin aus Moab zum Glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs kam und in die Segenslinie des Stammbaumes Jesu hinein fand? Ich möchte darüber in 3 Punkten nachdenken: 1. Gott ruft; 2. Gott führt; 3. Gott schenkt Gemeinschaft.

1. Gott ruft
Wir lesen in unserm Predigttext, in Vers 4, dass es wohl ungefähr 10 Jahre gebraucht hat, bis Ruth sich für Gott entschieden hat. Dabei kam es zu schmerzlichen Situationen und Tränen bis zum Schluss. Und doch war Noomi mit ihrer Schwiegertochter immer im Gespräch geblieben. Muss ihr immer wieder von den Erfahrungen erzählt haben, die das Volk Israel mit ihrem Gott gemacht hatte.
- Von Noah und der Flut, aber auch dem Neuanfang mit dem Regenbogen als Bundeszeichen.
- Von Abraham und dem Segen für das ganze Volk.
- Von Jakob und seinen Söhnen, wie sie nach Ägypten kamen und die Stämme unter Mose
  wieder heimkehrten - von der Unterdrückung und Befreiung; vom Passahfest und den
  10 Geboten; wie Gott sein Volk über Höhen und durch Tiefen geführt hatte.
Das waren keineswegs lauter Erfolgsgeschichten. Da ging es zutiefst menschlich zu. Die Israeliten waren am Murren und Verzweifeln. Und Gott brauchte Geduld, war mit ihnen am Ringen, bis sie immer wieder neu verstanden dass ER in Seiner Liebe und Güte für sie da war und in ihren Nöten helfen wollte, ihre Gebete, ihr Schreien sehr wohl hörte.

Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Auch wir kommen in Nöte, in finstere Täler und Abgründe wo er uns wieder und wieder durch sein Wort und durch Mitmenschen mit Seinem Heiligen Geist zu erreichen versucht. Bei uns anklopft um zu helfen! Jesus Christus sprach einmal von dem Hirten, der 99 Schafe zurück lässt, um das eine zu suchen, das in Not ist. Und ein anderes Mal machte Jesus den Vergleich mit der Fürsorge eine Arztes für die Kranken. Jesus sagte (Markus 2,17): „Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“
Gegenüber der Ruth im Alten Testament haben wir einen großen Vorteil, weil die Liebe und Gnade Gottes für uns in Jesus Christus sichtbar wurde. Was aber nicht bedeutet, dass Gott für uns keine Geduld brauchen würde. Wie schwer tun wir uns doch so oft? Wie leicht gehen Seine Weisungen und Verheißungen verloren?

Als Ruth erlebte, wie es Noomi nach 10 Jahren nach Bethlehem zurück zog, da vernahm sie ein markantes Bekenntnis von ihr:
- Noomi war sich sicher, dass es Gott war, der dem Volk wieder zu Brot verholfen hatte.
- Noomi war sich sicher, dass Gott seine Barmherzigkeit auch ihren Schwiegertöchtern
  schenken würde, denn sie befahl diese seiner Barmherzigkeit an.
- Und Noomi war sich sicher und wies darauf hin, dass Gott auch ihren Schwiegertöchtern
  Ruhe und Frieden schenken würde.
Das muss der Ruth so klar geworden sein, dass sie auf jeden Fall mit wollte und mit Noomi diesem Gott vertrauen wollte.

2. Gott führt     
Auch wenn die Wege Gottes für Noomi rätselhaft und schwer waren, bekam sie dennoch immer wieder neu so viel Vertrauen, dass sie sich nach Bethlehem zurück sehnte, weil sie von Gottes Hilfe wieder neu überzeugt war. In den alltäglichen Herausforderungen, die sie in ganz persönlich Nöte gebracht hatten, konnte Gott sie also immer wieder erreichen.
Nein - die glückliche Familie hatte sie nicht gefunden, auch nicht mit der Auswanderung nach Moab. Letztlich war sie ganz allein. Hatte nur noch eine Aufgabe, die ihr aber überhaupt nicht bewusst war: Nämlich die Großmutter des Königs David, für die Liebe Gottes zu gewinnen.
Da war zunächst einmal ein brutal anmutender Scherbenhaufen. Und zum Schluss nach Jahren für uns die Erkenntnis, dass Gott sie zum Segen gebraucht hatte. Wir aber erfahren dadurch, dass Gott alle liebt und einlädt: Juden wie Heiden. Aber was war das für ein hin und her? Selbst auf dem Rückweg gab es nochmals ein Innehalten. Die eine kehrte nach Moab zurück. Die andere ging mit. 10 Jahre sind hier in wenigen Zielen zusammengefasst. Was mag da alles passiert sein? Wieviel Fragen, Zweifel und Tränen hatte es wohl gegeben?

Und doch wachte Gott darüber, sodass wir zum Schluss lesen: „So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen“ (Vers 19a). Und in Bethlehem war Gottes Führung noch lange nicht am Ende. Gott fügte es, dass Ruth in den Stammbaum Jesu kam, und durch Matthäus bis zu uns heute hier in unsere Mitte.
Diese Aussage: „So gingen die beiden miteinander!“ traf auf Abraham und Isaak genauso zu wie auch auf andere, von denen wir in der Bibel lesen. Darum folgt als dritter Gedanke:

3. Gott schenkt Gemeinschaft    
Hier war es die Schwiegermutter mit der Schwiegertochter, die Jüdin mit der Heidin. So verschieden sie wohl auch gewesen sind, verbindend war das Vertrauen in den gemeinsamen Gott - und die Gemeinschaft mit denen die auf Gott hörten und Ihm nachfolgten.

Das was in Freud und Leid, aber auch in Herausforderungen und Nöten trägt, ist nicht eine gegenseitige Sympathie, sind auch nicht besondere gemeinsame Erlebnisse. Das was wirklich trägt, ist die Liebe und Gnade Gottes, eine unzerbrüchliche Nähe in Zeit und Ewigkeit, die uns in Gott - die uns um Jesu Christi willen - verbindet. Ungeachtet der Person, ungeachtet unserer Vorgeschichte und Situation gilt uns ohne Einschränkung Jesu Angebot der Vergebung und Versöhnung und dem Wirken des Heiligen Geistes zu unserem Heil.
Auch uns als Christen verbindet weder Hobby noch Interessen, weder Begabungen noch Mängel, weder Sympathie noch Glaubenserfahrungen, sondern allein die Sehnsucht Gottes mit uns Gemeinschaft zu haben - uns helfen zu dürfen. Dazu ruft ER - dazu führt ER - dazu wirkt ER durch Seinen Heiligen Geist.

So gilt es Weisungen und Verheißungen Gottes zu entdecken. Aber auch von Jesus Christus mehr zu erfahren, um es dann im Alltag umzusetzen. Die großen Scheine von Gottes Verheißungen gewissermaßen als Kleingeld im Alltag einzusetzen. Das kann einzeln und in der Stille genauso gelingen, wie auch im Miteinander, so wie bei Noomi und Ruth. Ein Chance liegt sicher auch in der Wiederholung, wie eben die Juden alljährlich das Büchlein Ruth als Festrolle zu Schawuot, zu unserem Pfingsten lesen. Eine Chance gibt es sicher auch, wenn wir dazu Grenzen und Reserviertheiten, Mauern und Zäune zu überwinden versuchen.

Denn Gott schreibt Geschichte: Dafür steht eben auch Ruth im Stammbaum Jesu.
Gott will aber auch unsere persönliche Lebensgeschichte mit Segen prägen und füllen - über Höhen und durch Tiefen. Und dafür verbindet uns Christen eben Jesus Christus selbst. Amen!