Predigt vom 22. November 2020

Predigt  am Ewigkeitssonntag                                  Schorndorf, 22. November 2020
Offenbarung 21,1-7                                                  Pfr. Thomas Fuchsloch

Gnade sei mit uns - und Friede, von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!

Der Wochenspruch zum Ewigkeitssonntag steht Lukas 12,35
    „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“


Der Predigttext steht in der Offenbarung, im 21. Kapitel:                   

        Christus spricht: Siehe ich mache alles neu!
01    Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde;
        denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen,
        und das Meer ist nicht mehr.
02    Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem,
        von Gott aus dem Himmel herabkommen,
        bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.
03    Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her,
        die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen!
        Und er wird bei ihnen wohnen,
        und sie werden sein Volk sein,
        und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;
04    und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,
        und der Tod wird nicht mehr sein,
        noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein;
        denn das Erste ist vergangen.
05    Und der auf dem Thron saß, sprach:
        Siehe, ich mache alles neu!
        Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!
06    Und er sprach zu mir: Es ist geschehen.
        Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.
        Ich will dem Durstigen geben
        von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
07    Wer überwindet, der wird es alles ererben,
        und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.                                                               

Worte des lebendigen Gottes - Amen.

Liebe Gemeinde,
wer ein Leben ohne Schmerzen will - sollte nicht geboren werden;
wer ein Leben ohne Tränen will - sollte niemals Kind sein;
wer ein Leben ohne Spannungen will - sollte nicht erwachsen werden;
wer ein Leben ohne Enttäuschungen will - sollte nichts hoffen,
und wer ein Leben ohne Ziel will - sollte nicht sterben.
Doch wir werden nicht gefragt, ob wir wollen oder nicht! Wohl aber ist jede und jeder Einzelne
von uns ganz persönlich gefragt, ob wir einmal bei Gott ans Ziel kommen wollen! Und wenn wir dann bei Ihm ans Ziel kommen dann wird es ein ewiges Leben, ohne Schmerzen und Tränen, ohne Enttäuschungen und Abschied sein. Denn Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen und der auf dem Thron saß sprach: Siehe, ich mache alles neu! Um Jesu willen werden dann all unsere Sehnsüchte zur Wirklichkeit. Um Jesu willen, aber auch nur um seinetwillen, es führt kein Weg an Ihm vorbei. Zwischen dem Paradies der Schöpfung und dem Paradies der Vollendung steht die Versöhnung am Kreuz und die Auferstehung am Ostermorgen. Zwischen dem Garten Eden und dem Garten des Himmels liegt der Garten Gethsemane, in dem Jesus innerlich mit sich kämpfte und der Gehorsam siegte. Zwischen dem Baum des Lebens im Paradies und dem Baum des Lebens in der neuen Welt, steht der Stamm von Golgatha an dem die Liebe den Tod besiegte. Zwischen den 4 Strömen im Garten Eden und dem Strom des lebendigen Wassers, der von dem Thron Gottes ausgeht, fließt der Bach Kidron, über den Jesus hinüber mußte, in der Nacht, das er verraten ward. Zwischen dem Fluch des Sündenfalls und der Schar der Erlösten steht der Segen der Erlösung durch Jesu Kreuzestod. Zwischen mir und Gottes ewiger Welt steht Jesus, der mich herüberholt.

1. An Jesus führt kein Weg vorbei.
Er ist die Brücke zwischen Anfang und Ende. Er ist das A und das O, wie es in Vers 6 zu lesen ist. Aber: Ist Er in meinem Leben wirklich das A und das O, wirklich am Anfang und am Ende? Oder drängen sich ganz andere vor? Dringen ganz andere Dinge in mich ein,  in mein Denken, in mein Fühlen, in mein Wünschen? Ist Er wirklich das A und das O in meinem Leben? Denn ansonsten ist ja das A und O im Leben der mobilen Gesellschaft z.B. das Auto.
Es fängt mit A an und hört mit O auf. Und seine Marken reichen von Alfa Romeo bis zum Opel Omega. Und die Werbeversprechungen so mancher Autofirma können eigentlich, genau genommen nur von Jesus tatsächlich gehalten werden. Achten Sie einmal auf das, was die Werbung verspricht: „Nichts ist unmöglich!“ Das von einem Auto zu sagen ist lächerlich. Aber im Blick auf Gott trifft es den Nagel auf den Kopf: Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? Ihm, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden.“ Oder „der gute Stern auf allen Straßen“. Da stellt sich schon die Frage, welcher Stern denn nun wirklich zum Guten führen kann. All die Angebote lassen sich eigentlich von dem einen, von Jesus halten, der wirklich das A und das O ist, der wirklich etwas in meinem Leben bewegen will. Die Werbung benennt gnadenlos unsere Sehnsüchte und Bedürfnisse. Wirklich erfüllen aber kann sie letztlich nur Jesus. Darum eben erstens: „An Jesus führt kein Weg vorbei!“

2.  Am Ziel des Weges macht er alles neu!
Er schafft, was wir nicht können, weil wir so schnell geschafft sind! Uns setzt so manches zu.
Wir können viel. Wir können viel machen, viel schaffen; und sind doch selbst so schnell geschafft; mitunter ganz schnell am Boden. Wie schnell sind wir doch enttäuscht oder verletzt. Wie schnell sind wir kraftlos und leer, wenn wir die Unerbittlichkeit und Unbarmherzigkeit des Todes zu spüren bekommen, wenn wir unsere Ohnmacht erleben? Wenn wir gezwungen werden, einen Menschen in der Blüte seines Lebens loszulassen, weil eine Krankheit, ein Unfall, uns seine Wärme und Herzlichkeit rauben.
Gewiss, wir Menschen haben gelernt uns zu wehren und wir schaffen vieles:
- In Amerika haben sie 1863 die Sklaverei abgeschafft.
- In Deutschland hat man 1949 die Todesstrafe abgeschafft.
- In Südafrika hat man 1992 die Apartheit abgeschafft.
Und doch brauchen wir den, der sagt: Ich schaffe für euch, was ihr nie schaffen werdet:
- „Seht, ich schaffe den Tod ab.“
- „Seht ich schaffe die Schuld weg.“
- „Seht ich schaffe die Welt neu.“
Gottes Ziel ist es, all das wegzunehmen, was an Mauern sich zwischen uns aufbaut: All die Missverständnisse und Unterstellungen, Verletzungen und Versäumnisse. All das, was uns traurig und fertig macht. Was will ich denn letztlich machen, wenn plötzlich einer stirbt und ich es versäumt habe, etwas mit ihm zu besprechen, etwas noch in Ordnung zu bringen. Und da bietet Gott mir an: Du darfst verzeihen; Du kannst dir Vergebung schenken lassen. Das Negative nehme ich weg; das Gute darfst du dir bewahren. Gerade dann, wenn die Vergangenheit mich nicht loslässt oder wenn Vergängliches mich schafft, dann vermag Er einen Neuanfang zu geben. Ja - Neues, zu schaffen. Und das ist im wahrsten Sinne des Wortes „Not-wendig“. Denn in Sachen Welterneuerung geben wir eine ganz schwache Partie ab. Wir können allenfalls runderneuern, so wie das früher die Spezialisten einer Autoreifenfabrik häufig machten. Auf abgefahrene Reifen wurde neues Material aufgespritzt und ein neues Profil eingeprägt. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis wieder die alte Decke durchblitzt, so aalglatt und gefährlich wie zuvor. Ob Weltverbesserer, Revolutionäre, oder Ideologen, sie waren und sie bleiben alles nur Runderneuerer. Etwas Moral, etwas Idealismus, eine Portion Opfer, vielleicht auch Fanatismus aufspritzen - dann hebt das neue Profil eine zeitlang. Doch das, was wir brauchen ist keine Runderneuerung sondern eine Totalerneuerung. Eine Totalerneuerung
    - geprägt von Gottes Liebe,
    - geprägt von seiner Heiligkeit,
    - geprägt von seiner Vollkommenheit.
Und dann wischt er alle Tränen ab. Gott selbst - das ist das Großartige, nimmt sich persönlich eines jeden an. Tränen abwischen, können keine Maschinen, können keine Medikamente und keine Fitnesskuren, das werden auch keine Dienstleistenden besorgen. Das macht er schon selbst!

Gott will sich unser ganz persönlich annehmen - darum:
3. ER ist bei mir auf dem Weg dabei!
ER gibt nicht nur ein Ziel vor, das wir dann schaffen sollen. Nein Er will uns dabei begleiten;
aber auch bewahren und aufhelfen wo‘s mühsam wird. Selbst in meinem Sterben verlässt er mich nicht. Ich darf seiner Hilfe gewiss sein! Er macht es. Er schafft es. Es ist im griechischen Urtext immer dasselbe Wort, das sein Schaffen, sein Fürsorgen, sein Machen beschreibt:
    - ER macht alles neu.
    - ER machte Himmel und Erde!
    - ER machte sie zu seinen Jüngern.

ER will auch mich zu einem Gotteskind zu einer Jüngerin, einem Jünger machen! Wohl dem, der dies in Anspruch nimmt. Der mit seiner schaffenden, ja schöpferischen und erneuernden Kraft rechnet. Der mit dem rechnet, der größer ist als alles, der über unseren Horizont hinaussieht. Von Blaise Pascal ist uns eine Gebetsbitte erhalten geblieben, eine solche Bitte um Durchhilfe: Blaise Pascal lebte ja vor etwa 350 Jahren. Er war Naturwissenschaftler, Erfinder, Schriftsteller, Philosoph und Christ - schlichtweg ein Genie. Mit 16 veröffentlichte er eine mathematische Studie die bis heute richtungsweisend ist, und die jeder Schüler versucht in seinen Gehirn-windungen so einzuparkieren, dass er es auf Lehrerwunsch parat hat. Mit 20 erfand er die erste Rechenmaschine. Aber er war von schwerer Krankheit gezeichnet. Von seinem 18. Lebensjahr an hat er nicht einen Tag ohne Schmerzen erlebt. Er starb mit 39 Jahren. In einem von 15 erhaltenen Gebeten heißt es: „Verleihe mir die Gnade, Herr, deinen Trost mit meinen Schmerzen zu verbinden, damit ich leide als ein Christ.  Ich bitte darum, den Schmerzen der Natur nicht ausgeliefert zu sein ohne die Tröstungen deines Geistes. Lass mich miteinander fühlen, die Schmerzen der Natur und die Tröstungen deines Geistes.“ Blaise Pascal wollte bewahrt ans Ziel kommen, er wollte Gottes Hilfe erleben, er wollte den erleben, der in der Offenbarung beschrieben wird als das Lamm mit den 7 Augen. Eines, das um die Ecke schaut, was mich überraschen wird; eines, das sieht, was hinter mir vorgeht; eines das sieht, was in mir vorgeht. Es gilt Gottes Hilfe zu erleben um dann einmal die Erbschaft anzutreten. In Vers 7 heißt es: „Wer überwindet, der wird es alles erleben!“
Wie gut, dass wir alles mit unserem Vater im Himmel besprechen können, der nur ein Gebet weit von uns entfernt ist. Früher hab ich, bevor ich zur Schule ging, an der Haustür das Gebet gebetet, das mir meine Mutter beigebracht hatte: „Jeden Schritt und jeden Tritt, geh Du lieber Heiland mit. Gehe mit mir ein und aus, führe Du mich selbst nach Haus!“ Heute bete ich das selbe Gebet noch immer - allerdings mit einer kleinen Veränderung: „Jeden Schritt und jeden Tritt, geh Du lieber Heiland mit. Gehe mit mir ein und aus, führe Du mich selbst zu Dir nach Haus!“ Und dabei gilt, dass alles, was wir im Sinne Jesu beten, Er auch zugesagt hat, zu erfüllen. Dass wir aber heimkommen zu unserem Vater im Himmel, ist nun wahrlich in Seinem Sinne, weshalb ich überzeugt bin, dass Er es auch erfüllen wird!
Nun - Gott lässt uns nicht allein. Er will uns helfen zu überwinden, um das zu empfangen, was er uns Gotteskindern als Erbschaft in seinen zwei Testamenten versprochen hat. Die zwei Testamente - das Alte und das Neue Testament - berichten davon, wie er uns heimbringt um das Vorbereitete auf ewig zu erleben: „Siehe, ich mache alles neu!“. Das bedeutet für uns,
die wir uns auf ein Wiedersehen im Himmel freuen:
    1. An Jesus führt kein Weg vorbei.
    2. Am Ziel des Weges macht ER alles neu - und
    3. ER ist bei mir auf dem Weg dabei!

                                Amen.