Predigt vom 21. Juni 2020

Predigt am 2. Sonntag nach Trinitatis                                      Schorndorf, 21. Juni 2020
Matthäus 11,25-30                                                                   Pfr. Thomas Fuchsloch

Gnade sei mit uns - und Friede, von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!

Der Wochenspruch zum 2. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest steht Matthäus 11,28
    „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Der Predigttext steht im Matthäusevangelium, in Kapitel 11:

    25     Zu der Zeit fing Jesus an und sprach:
             Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde,
             dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast
             und hast es Unmündigen offenbart.
    26     Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.
    27     Alles ist mir übergeben von meinem Vater,
             und niemand kennt den Sohn als nur der Vater;
             und niemand kennt den Vater als nur der Sohn
             und wem es der Sohn offenbaren will.
    28     Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid;
             ich will euch erquicken.
    29     Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir;
             denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig;
             so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
    30     Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.            
             Worte des lebendigen Gottes - Amen.



Liebe Gemeinde,
als wir zum Jahreswechsel einander „ein gutes Neues Jahr“ wünschten, da konnte noch nie-mand ahnen, was in den letzten Wochen auf uns zugekommen ist. Um uns von dem mitunter todbringenden Virus zu befreien wurden wir in Verordnungen und Auflagen gefangen genommen. Vieles wurde so eng genommen, dass schon kleine Schritte der Öffnung zur wahren Erleichterung wurden. Inzwischen dürfen wir ja wieder zu Gottesdiensten zusammen kommen
und in Restaurants einkehren. Wissen Sie eigentlich woher der Begriff „Restaurant“ kommt?
Zumindest gibt es weder deutsche noch schwäbische Wurzeln dafür.
Nun - den Begriff  „Restaurant“  haben wir einem Franzosen aus Paris zu verdanken, welcher der lateinischen Sprache kundig war. Er war Christ - er war ein begeisterter Gastwirt und hatte eine Bibel in lateinischer Sprache zur Hand. Im Jahr 1795 ließ dieser Gastwirt, Worte aus einem Bibelvers über die Tür seines Gatshauses schreiben - Worte, aus unserem heutigen Predigttext: „Kommt her zu mir ... ich will euch erquicken!“ Aber eben auf Latein: „ego vos restaurabo“ - „Ich will euch erquicken“. Und aus „restaurabo“ wurde dann der Begriff „Restaurant“. Eigentlich eine sehr passende Einladung für ein Gasthaus: „Kommt her zu mir ... ich will euch erquicken!“
Allerdings dürfte uns allen klar sein, dass es nichts nützt, nur um diese geniale Einladung zu wissen, wenn man nicht tatsächlich auch hineingeht. Wer sich wirklich erquicken lassen will     muss auch tatsächlich kommen und einkehren. Das ist der entscheidende Unterschied im Blick auf ein Restaurant: Ob ich nur darum weiß - oder ob ich es auch wirklich kenne. Ich kann um ein Restaurant wissen - schon viel darüber gehört - und die ausgehängte Speisekarte studiert haben. Wenn ich aber noch nicht drin war und die Speisen gekostet habe, kenne ich es nicht wirklich. Und genauso verhält es sich mit dem, was Jeus in unserem Predigttext anspricht, wenn ER sagt: „Niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und be-laden seid; ich will euch erquicken“ (Verse 27-28). O ja - ich kann vieles über Gott  und über Jesus, seinen Sohn wissen. Wenn ich aber nicht komme, nicht in Beziehung trete, mich nicht von IHM erquicken lasse, werde ich ihn letztlich doch nicht kennen. Zum Kennen gehört eine lebendige Beziehung. Jesus redet sogar von seiner „Vater-Sohn-Beziehung“. Und Jesus redet von der Beziehung, die ER zu uns haben möchte. ER will uns Erquickung schenken, Ruhe für die Seele geben und unter einem Joch mit uns ziehen.
Diesem Aspekt des rechten Kennenlernen, einer lebendigen Beziehung,  will ich unter drei Gesichtspunkten nachspüren:
    1.    Jesus in Beziehung zu seinem Vater.
    2.    Jesus will, dass wir kommen.
    3.    Jesus will mit uns mitkommen.

1. Jesus in Beziehung zu seinem Vater
Jesus kam von seinem Vater herein in unsere Welt und Jesus ging zurück zu IHM, um uns dadurch die Tür zu Seinem Vaterhaus aufzutun. Indem Jesus von Seinem Vater redete und in Seiner Bergpredigt eingeladen hat, das „Vaterunser“ betend zu sprechen, hat Jesus diese Beziehung ganz klar auf den Punkt gebracht, um was es dabei letztlich geht:
    - Denn jeder hat nun mal nur einen Vater; zwei sind einfach nicht möglich.
    - Niemand wird vor die Alternative gestellt, sich seinen Vater aussuchen zu müssen,
      da gibt es keine Alternative.
    - Auch ist es nicht möglich, gar keinen Vater zu haben.
    - Und außerdem ist die Reihenfolge geklärt: Denn der Vater ist immer zuerst da,
       das Kind kommt später. Wir brauchen weder einen nach unseren Erkenntnissen
       erfinden, noch nach unseren Bedürfnissen uns zurecht reimen.

Weil aber ER, unser Vater im Himmel, zuerst da war, ist auch ER derjenige, der uns ruft und sucht. ER ist schon bereit, wenn wir nach IHM rufen, wenn wir im Gebet zu IHM kommen.
Und eben in diese, Seine „Vater-Sohn-Beziehung“ will uns Jesus mit hineinnehmen.
Diese Beziehung besteht eben nicht nur darin, umeinander zu wissen, sondern im Geben und Nehmen einander zu erleben. Deshalb braucht es auch kein besonderes Maß an Weisheit oder Klugheit, sondern nur die Bereitschaft einander im Geben und Nehmen zu begegnen. Wir sind eingeladen, all unsere Fragen und Bitten, Ängste und Sorgen, Lasten, Schuld und Versagen im Gebet abzugeben; um umgekehrt uns Seine Liebe offenbaren und Seinen Segen schenken zu lassen, Seine Fürsorge zu erleben. Eben gerade so, wie Jesus sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Und das ist mein zweiter Punkt:
2. Jesus will, dass wir kommen
Wer nur um Ihn weiß, aber nicht kommt, wer seine Herzenstür nicht öffnet, wird letztlich nie Seine Hilfe und Erquickung erfahren. Jesus ist also nicht derjenige, der sich aufdrängt oder gar zwingt und auch nicht derjenige, der Bedingungen stellt. Es ist vielmehr Seine Liebe und Sehn-sucht, die ihn zu dieser Einladung bewegt, dass wir doch kommen sollen.
Und da ist noch etwas: ER kennt uns besser, als wir uns selber kennen und weiß, was wir wirklich brauchen - und zwar bevor wir es einsehen oder uns zugestehen.
Es könnte natürlich sein, dass wir zu den beneidenswerten Menschen gehören, denen nichts Mühe macht - die keine Last zu tragen haben - die immer topfit und immer obenauf sind - die nie einen Fehler machen - und die nicht danach fragen, was kommt, wenn wir beim Sterben über die Schwele in die Ewigkeit hinüber gehen. Jesus spricht dagegen in unserem Text die an, die mehr oder weniger zu tragen haben - die spüren, wie sie auch müde werden - deren Seele zur Ruhe kommen will - und deren Kräfte aufgezehrt werden, welche die Erfahrung kennen, zuweilen  auch überfordert zu sein. Das, was da zuweilen auf unseren Schultern liegt, wird bei jedem von uns anders aussehen und anders anfühlen; jede und jeder hat so seine Päckchen und schon auhc mal Pakete, die wir zu tragen haben, wobei aber Jesus uns helfen will. ER will für uns da sein, wenn wir hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, wenn wir unter der Not und den Ungerechtigkeiten in dieser Welt leiden. Jesus lädt uns ein, wenn wir Ruhe und Erquickung,
Vergebung und Gnade brauchen. Erquickung will ER uns zum Beispiel auch im Abendmahl schenken oder in der Kraft, die in den Worten der Heiligen Schrift,  in der Bibel steckt. Ein Bibel-vers kann ermutigen, kann aufbauen, kann trösten und befreien. Jesus spricht einmal von dem „ lebendigen Wasser“, das ER uns für den Durst unserer Seele geben will. Und ER spricht von dem Frieden, dem inneren Frieden, der uns immer wieder abhanden kommt und den ER uns wieder geben kann und will.
In unserer Schorndorfer Stadtkirche hängt im Triumphbogen über dem Altar ein Kruzifix, das Ulrich Henn 1960 geschaffen hat. Da ist Jesus nicht nur der sterbende Hängende am Kreuz,
sondern zugleich der Standhafte, der mit seinen Händen redet. Die rechte Hand ist eine herbei- winkende Hand, die einlädt herzukommen; und die linke Hand ist eine segnende Hand. Dieses Kruzifix ist eigentlich eine Predigt zu unserem Wochenspruch aus dem Predigttext: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid;  ich will euch erquicken.“

Doch damit endet unser Predigttext noch nicht. Sondern da kommt noch die Sache mit dem Joch
und meinem dritten, abschließenden Punkt:

3. Jesus will mit uns mitkommen
Jesus sagt: „ Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht!“
Nun ist ein Joch für viele oftmals ein Sinnbild für Unterdrückung und Knechtschaft - etwas, was man gerne loswerden möchte. Biblisch gesehen ist das Joch aber ein Bild dafür, wer die Herr-schaft in meinem Leben hat. Es geht also nicht um die Frage, ob ich ein Joch tragen muss oder nicht, sondern die Frage, unter wessen Joch ich stehe. Es ist die Frage, ob mich jemand knechtet oder etwas auf mich ablädt oder auflädt. Zudem gibt es auch das Joch der Sorge, das uns aufreibt. Da gibt es das Joch der Sünde, das uns niederdrückt oder das Joch der Angst tut uns weh.
Ein Joch kann drücken oder wund reiben, scheuern und schmerzen. Jesus will  dagegen ein sanftes Joch:
- Ich stelle mir dabei ein Joch vor, das früher zwei Rindern half den Pflug oder die Last
  miteinander zu ziehen, ohne, dass die Zugseile in die Haut einschneiden konnten.
- Ich stelle mir vor, wie Jesus mit mir zusammen mein Joch ziehen will - helfen will, dass es sanft
  ist und nicht verletzt.
Gott nimmt nicht die Last weg, aber ER hilft tragen und ziehen. Genauso, wie Gott nicht den Regen wegnimmt, sondern nach Psalm 91 mir einen Schirm gibt: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn:
Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ (Psalm 91,1-2). Gott nimmt nicht weg, was uns trifft, was uns schwer fällt - denn dann hätten wir bereits den Himmel auf Erden. Aber ER hilft, schützt und bewahrt. Ein Schirm bewahrt übrigens nicht nur vor dem, was uns treffen will, sondern macht auch den Blick frei von dem, was auf uns nieder prasselt oder uns blenden will.
Und noch eine Anmerkung. Wenn ich mit Jesus - und ER mit mir am selben Joch zieht, dann ist auch die Richtung vorgegeben! Wie vielen tut der Hals weh vom vielen Drehen und Wenden nach all den Dingen dieser Welt. Wie viele verlockende Angebote schaffen es, dass wir hin- und hergerissen sind;  verdrehen uns den Hals und verkrampfen uns den Nacken und die Seele.
Aber Jesus will uns leiten und begleiten.
ER sagt: Komm! Komm zu mir, damit ich mit Dir zusammen unterwegs sein kann
    - unterwegs sein, um Dich zu erquicken und zu segnen
    - um mit Dir unterwegs zu sein in Richtung Ewigkeit.  Amen!