Predigt zum Sonntag Invokavit                         Schorndorf, 21. Februar 2021
Johannes 13,21-30                                            Pfr. Thomas Fuchsloch

Gnade sei mit uns - und Friede,
von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!

Der Wochenspruch zum Sonntag Invokavit steht im 1. Johannesbrief  (1. Joh.3,18b)
    „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“

Der Predigttext steht im 13. Kapitel des Johannesevangeliums, die Verse 21 - 30
21 Als Jesus das gesagt hatte, wurde er betrübt im Geist und bezeugte und sprach:
     Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
22 Da sahen sich die Jünger untereinander an,
     und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.
23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, den Jesus liebhatte,
     der lag bei Tisch an der Brust Jesu.
24 Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte,
     wer es wäre, von dem er redete.
25 Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist's?
26 Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe.
     Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein
     und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.
27 Und als der den Bissen nahm, fuhr der Satan in ihn.
     Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
28 Aber niemand am Tisch wusste, wozu er ihm das sagte.
29 Einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm:
     Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!,
     oder dass er den Armen etwas geben sollte.
30 Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus.
     Und es war Nacht.      

Liebe Gemeinde,
aus den Evangelien erfahren wir, wie Jesus unermüdlich versuchte, seinen Zuhörern den Vater im Himmel lieb zu machen und dazu eingeladen hat, Gottes Kinder zu sein. Einmal hat es Jesus ganz direkt ausgesprochen. Jesus sagte: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.“ Und dann fügte Er hinzu: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“  (Markus 10,14-15)
Wir tun also gut daran, wie ein Kind uns von Gott beschenken, umsorgen und versorgen zu lassen, und wie ein Kind uns Ihm zuzuwenden. Ihm zu sagen, was uns bewegt und bedrückt;
wonach wir uns sehnen und was wir uns wünschen; aber auch was wir nicht verstehen oder wissen wollen. Zuweilen haben Kinder hoch theologische Fragen, die sich gar nicht immer so einfach beantworten lassen: Ob wohl ein Hund im Himmel Flügel kriegt? Was Gott in der Nacht macht, wenn wir schlafen? Wie Gott so viel Gebete auf einmal hören kann? Wie Er sich denn am 7. Tag ausruht? Und wer dem lieben Gott die Schuhe putzt?

Was würden wir darauf antworten, wenn es darum geht, wer wohl Gott die Schuhe putzt? Ein Vater sagte zu seiner kleinen Tochter, dass es gar nicht darum geht, wer sie ihm putzt, weil nämlich Gott uns die Schuhe putzen will, gerade so, wie Jesus damals vor seinem letzten Passahmahl die Füße gewaschen hat. Wir sind es nämlich, die Reinigung brauchen. Und Gott ist es, der sie uns geben will; uns damit dienen will, wenn wir uns beschmutzen, uns verunreinigen. Jesus hatte damals am Abend vor seiner Kreuzigung den Jüngern die Füße gewaschen und gesagt: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. Wenn ihr dies wisst – selig seid ihr, wenn ihr's tut.“ (Johannes 13,15). Von dem, was unmittelbar danach geschah, was die Jüngern daraufhin an Fragen hatten und was ihre Gedanken bedrückte, davon handelt unser heutiger Predigttext.

Liebe Gemeinde,
bei diesem letzten Passahmahl Jesu, das Er für uns zum Abendmahl eingesetzt hat, da standen nach der Fußwaschung also eine ganze Menge Fragen im Raum. Dazu möchte ich mich zunächst der ganzen Jüngerschar zuwenden und danach Petrus und den Jünger, den Jesus liebhatte, näher betrachten.

1. Die gesamte Jüngerschar
Als Jesus ankündigte, dass einer von ihnen Ihn verraten würde, da wurde ihnen bange, von wem Er wohl redete. Dabei scheint es mir interessant zu sein, dass sich keiner sicher war. Offensichtlich trauten sie es jedem zu. Und damit wohl auch sich selbst. Da hatten sie alle miteinander drei Jahre lang Jesus erlebt und Ihm zugehört,
wussten so viel von Ihm und über ihn, hatten all die Wunder und Jesu Vollmacht erlebt und waren trotzdem total verunsichert, wer von ihnen ihn verraten könnte?
Keiner hatte den Mut, den Glaubenshelden zu spielen und sich von solch einem Versagen zu distanzieren. Und wenn dann später der Petrus es wagte, Jesus nie im Stich lassen zu wollten, so musste er sich doch sagen lassen, dass auch er Jesus dreimal verleugnen würde, eh der Hahn krähen sollte.
Was aber bedeutet das für uns? Nun - auch wir brauchen und müssen nicht als Glaubenshelden auftreten. Auch wir stehen in Gefahr, Jesus verleugnen zu können.
Sei es durch eine beschwichtigende Aussage oder vielleicht sogar dadurch, dass wir es vorziehen zu schweigen, obwohl wir reden sollten. Da kann es durchaus auch Unwissenheit geben und wir könnten etwas dazu sagen, sollten von Jesus und seiner Liebe reden und schweigen dennoch. Wieviel Unrecht geschieht und wir schweigen, obwohl wir es wissen? Sehen das Unrecht und sagen nichts? Wieviel Schuld und Sünde geschieht und wir schweigen, obwohl wir helfen könnten?
Da könnte es natürlich auch passieren, dass wir auch unsicher sind. Wobei es dann die Chance gibt, einfach zu fragen. Sei es andere Gläubige zu fragen - oder durch eine Frage zum Nachdenken anzuregen! Das war ja auch damals bei den Jüngern das Problem, dass sie nicht fragten? Der sonst so souveräne Petrus schickte sogar den Jünger vor, den Jesus lieb hatte. Hatte keinen Mut selber Jesus zu fragen.

Und am Schluss reimten sie sich so manches zusammen, anstatt zu fragen. Wörtlich heißt es: „Einige meinten ...“. Bloß weil Judas die Kasse verwaltete reimten sie sich dieses oder jenes zusammen und lagen doch falsch.
Wie oft reimen wir uns etwas zusammen, unterstellen sogar etwas, anstatt näher nachzufragen oder nachzuhaken?
Nun - mit den Jüngern sind wir da in bester Gesellschaft. Da hat sich von damals bis zu uns heute nicht viel verändert. Zum Glück auch nicht darin, dass die Jünger sich damals alle von Jesus die Füße haben waschen lassen. Und auch wir dürfen uns alle von Ihm reinigen lassen. Uns alle, wie damals im Zeichen von Brot und Wein die Vergebung und Versöhnung zusprechen lassen.

2. Es lohnt sich Petrus zu betrachten
Diese Sache mit dem Verrat beschäftigte ihn so sehr, dass er sich nicht nur eine Meinung bilden wollte, sondern eine klare Antwort suchte. Aber er traute sich nicht, Jesus zu fragen. Und ich frage mich, warum? Schon bei der Fußwaschung hatte er zu Jesus gesagt, dass nach seiner Meinung er Jesu Füße waschen sollte und nicht umgekehrt. Und wieder frage ich mich, warum er es nicht vorher schon getan hatte, eh Jesus sich darum bemühte. Doch er versuchte sich zu rechtfertigten, indem er mit Jesus zu diskutieren anfing. Aber bei der Frage um den Verrat, schickte er lieber den Jünger vor, von dem wir lesen, dass Jesus ihn lieb hatte. Neigen wir nicht auch zuweilen dazu, lieber andere vorzuschieben? Immerhin hätte Petrus diesen Jünger bitten können, gemeinsam Jesus zu fragen, weil er sich alleine nicht traute. Bei Petrus können wir ja beides erleben: Einerseits ein klares Bekenntnis. Auf die Frage Jesu, ob er nicht auch weggehen möchte, da antwortete Petrus: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!“ Und bei der Gefangennahme, schlug er mit dem Schwert zu war bereit für Jesus zu kämpfen. Und andererseits die Zurückhaltung, ja später sogar das dreifache Leugnen.
Petrus - voller Feuer und verletzendem Eifer und dann wieder schwach und feige. Und Jesus hatte ihn trotzdem lieb: Gab ihm neue Chancen und sagte es ihm immer wieder.
Und wir dürfen wie der Petrus sein - himmelhoch jauchzend und dann wieder am Boden zerstört: Aber immer von Jesus geliebt - und nie von Jesus aufgegeben.
Letztlich wissen wir es nicht, warum sich Petrus diesmal nicht traute? Jedenfalls war es gut, dass er mit seiner Frage nicht allein blieb sondern den Jünger einbezogen hat, von dem es heißt, dass Jesus ihn liebte. Auch wir dürfen und sollten andere einbeziehen, denen wir vertrauen können.
Petrus vertraute seine Unsicherheit diesem Jünger an, weshalb ich mich nun auch ihm zuwenden möchte:

3. Der Jünger, den Jesus lieb hatte
Der Jünger - und manches spricht dafür, dass es Johannes war - von diesem Jünger erfahren wir, wie er unermüdlich die Nähe Jesu suchte. Selbst bei der Kreuzigung lief er nicht weg, sondern blieb bei Maria, der Mutter Jesu stehen.
Vorsicht - man könnte ableiten, dass er Jesu Lieblingsjünger war. Wenn aber dieser Jünger sich von Jesus geliebt wusste, bedeutet das noch lange nicht, dass Jesus ihn lieber gehabt hätte, als die andern.
Dieser Jünger wusste sich so von Jesus geliebt, dass er Jesu Nähe suchte und sich auch traute Jesus Fragen zu stellen. Und dieser Jünger hatte gemerkt, dass es ihm gut tat, immer wieder ganz nah bei Jesus zu sein - Jesu Herzschlag zu hören, zu spüren. Ob wir uns wohl auch so von Jesus geliebt wissen, dass wir seine Nähe suchen, uns nach dem Herzschlag seiner Liebe sehnen?
Sollten wir vielleicht noch viel öfters die Nähe Jesu suchen, am Herzen Jesu ausruhen? Ich meine: Nicht nur unsere Gebete Ihm zurufen. Das geht auch aus der Distanz. Sonder Seine Nähe suchen um auszuruhen?! Bei Jesus zur Ruhe kommen:
Angesichts all dessen, was uns jagt und umtreibt, uns durch den Herzschlag seiner Liebe wieder so in Takt zu kommen, dass es uns gut tut?
Brauchen wir das nicht noch viel mehr? Das Ausruhen bei Jesus? - Das Spüren seines Herzschlags? Seine Fußwaschung? Sein Ratschlag und Seine Ermutigung?
Ja die Gewissheit, dass niemand Ihn uns mehr nehmen kann?!

Übrigens: Der Judas ging weg, obwohl er besser geblieben wäre. Hinterher heißt es,
dass es dem Judas leid getan hatte. Was das für den Judas dann bedeutete, wissen wir nicht. Wohl aber wissen wir, was Jesus an jenem Abend hinterher zu Seinen Jüngern gesagt hat: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“  (Joh. 13,34-35)
Einander lieb haben, aber heißt, dass wir uns nicht den Kopf waschen, sondern einander dienen und die Füße waschen. Konkret bedeutet das, dass wir uns noch mehr einüben: gemeinsam bei Jesus zur Ruhe zu kommen; gemeinsam unsere Fragen vor Ihn zu bringen und uns gegenseitig helfen, wenn wir an unsere menschlichen Grenzen stoßen.

Es geht um ein Miteinander, das davon lebt, dass Jesus Christus uns mehr liebt, als wir ahnen und begreifen können!  Amen.