Predigt vom 15. November 2020

Predigt  am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres       Schorndorf, 15. November 2020
 Lukas 16,1-8                                                                  Pfr. Thomas Fuchsloch


Gnade sei mit uns - und Friede, von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!

Der Wochenspruch zum vorletzten Sonntag des Kirchenjahres steht 2. Korinther 5,10a
    „Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“

Der Predigttext steht im Lukasevangelium, in Kapitel 16:
01    Er (Jesus) sprach aber auch zu den Jüngern:
        Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter;
        der wurde bei ihm beschuldigt,    er verschleudere ihm seinen Besitz.
02    Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir?
        Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein.
03    Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun?
        Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln.
04    Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen,
        wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.
05    Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich,
        und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?
06    Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm:
        Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin und schreib flugs fünfzig.
07    Danach fragte er den zweiten: Du aber, wieviel bist du schuldig?
        Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm:
        Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig.
08    Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter,  weil er klug gehandelt hatte;
        denn die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
                        Evangelium unseres Herrn Jesus Christus - Amen!

Liebe Gemeinde,
die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.
Mit diesen Worten, lädt Jesus uns ein, klug zu sein!
Zum Beispiel, klug zu sein, wie jener Mann, um den es zunächst gar nicht gut stand. Er war Gastwirt - und stand kurz vor der Pleite. Obwohl er alles getan hatte, was in seinen Kräften stand. Aber seine Gaststätte wollte einfach keinen Gewinn abwerfen. Er hatte die Gaststube gemütlich eingerichtet, die Bedienung war freundlich, Getränke und Speisen gut und die Preise niedrig. Aber es kamen kaum Gäste. Die Konkurrenz war eben zu groß, und der Erfolg ganz klein.
In seiner Not suchte der Gastwirt bei einem weisen Mann Rat. Und der Weise riet ihm, sein Gasthaus umzubenennen. „Du musst dein Haus DIE SIEBEN GLOCKEN nennen und über der Tür sechs Glocken aufhängen. Du sollst mal sehen, wie der Laden dann läuft.“ „Und warum soll es dann besser gehen?“, fragte der Wirt irritiert zurück. „Nichts kann die Menschen so sehr erfreuen, als wenn sie einem anderen einen Fehler zeigen können. Die Leute werden das Schild lesen, und feststellen, dass du nur sechs Glocken über der Tür hängen hast. Du wirst dich bedanken und sie freundlich bedienen und dein Haus wird immer voll sein!“ Der Gastwirt versuchte es, und siehe da, die Reisenden kamen, machten den Besitzer stolz auf seinen Fehler aufmerksam und blieben dann zum Rasten gleich da, genn sie wurden sehr zuvorkommend und freundlich bedient. Es war einfach klug gewesen - nicht etwa auf die vielen Hinweise zu hören, wohl aber zur rechten Zeit den Richtigen gefragt zu haben. Das ist ein Kennzeichen von Klugheit: Zur rechten Zeit den Richtigen zu fragen. Und es ist sicher auch ein Kennzeichen von Klugheit zur rechten Zeit nach Gott zu fragen:
- Wir Menschen bauen schöne Häuser, richten sie kultiviert ein,
  aber kennen wir auch unsere Wohnung bei Gott?
- Wir Menschen bereiten sich schmackhafte Mahlzeiten
  und sind um Essen und Trinken besorgt.
  aber was wissen wir über die Ernährung unserer Seele?
- Wir Menschen sind süchtig nach Genuss und Vergnügen, verstricken uns aber allzuleicht
   in Abhängigkeiten,
   aber was wissen wir über die Freiheit, die Jesus uns immer wieder neu schenken will?
- Wir Menschen schlucken lebenswichtige Tabletten und Tropfen,
   aber was wissen wir im Blick auf unsere Seele über das heilende Wort Gottes?
- Wir Menschen suchen Zerstreuung in jeder Form,
   aber was wissen wir über die Sammlung unserer Sinne und Kräfte?
- Wir Menschen rackern für Reichtum und horten Vermögen,
   aber was wissen von den wirklichen Schätzen bei Gott?
- Wir Menschen reisen und rasen, kuren und küren, fahren in fremde Länder
  und jetten um die Erde,
  aber bedenken wir auch unsere Lebensreise zu Gott?

Die Bibel misst die Klugheit nicht als Intelligenzquotient, sondern am Umgang mit Gott.
In der Bibel können wir es nachlesen: Unklug ist, wer sagt, dass es keinen Gott gibt.
Unklug ist, wer so tut, als ob es Gott nicht geben würde.
Es gibt sogar einen fatalen Vergleich darin zu lesen: Es sei besser einer Bärin zu begegnen,
der die Jungen geraubt sind, als einem Menschen, der so spricht oder so handelt, als wenn es Gott nicht geben würde.

Dagegen bezeichnet Jesus selbst einen Menschen für klug, wenn er sein Haus nicht auf Sand,
sondern auf felsigen Grund baut. Jesus sagt: Wer mich hört und danach handelt, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baut. Also sein Lebenshaus auf IHN baut, auf den er sich felsenfest verlassen kann. Klug ist, wer zur rechten Zeit nach Gott fragt, wer zur rechten Zeit auf Jesus baut.

Glaube hat es also mit Klugheit zu tun. Und nicht etwa, wie es in so manchen Köpfen herum spuckt, als ob man nur an Gott glauben könne, wenn man den Verstand ausschaltet. Oder dass der Glaube, wie Opium den Verstand mit Nebel umhülle. Jesus sagt ganz klar: Seid klug! Fragt zur rechten Zeit nach Gott. Mehr noch - fragt nicht nur nach ihm, fragt ihn selbst - fragt sein Wort! - Seid klug!    
An anderer Stelle sagt Jesus einmal:
„Seid klug wie die Schlangen - und ohne Falsch wie die Tauben!“
Klug wie eine Schlange, das heißt: Ihr solltet das Gras wachsen hören. Ihr solltet anbahnende Erschütterungen spüren. Ihr solltet Euch durchschlängeln und nicht stur oder mit Gewalt etwas erzwingen. Und wir brauchen immer wieder eine neue Haut, eine Erneuerung - weil unser Verhalten nicht immer ganz spurlos an uns vorüber geht. Seid klug wie die Schlangen!

Aber offensichtlich ist Jesus mit seinen Gotteskindern doch nicht ganz zufrieden, denn in unserem Gleichnis kommt er eben zu dem Ergebnis: „Die Kinder dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.“ Jesus möchte, dass wir klug sind. Ja noch klüger werden. Auch klüger wie jener Verwalter der plötzlich vor dem Scherbenhaufen dessen stand,
was er angerichtet hatte.

Klüger sein, das bedeutet für mich:
1. Meine Grenzen erkennen !
Der Verwalter in dem Gleichnis, das Jesus erzählte, der wurde gezwungen Bilanz zu ziehen.
Ja seine Bilanzen vorzulegen. Nun war er so ehrlich zu sich selbst, dass er seine Lage richtig einschätzte. Er hatte keine Chance. Zurecht fragte er: „Was soll ich tun?“
Klug war, dass er das Beste aus seiner Situation machen wollte. Klug war auch, dass er für seine Zukunft vorsorgen wollte. So nach dem Motto: „Eine Hand wäscht die andere“, versuchte er mit Geldgeschenken sich Freunde zu machen.
Bleibt die Frage: Wie gut solch Geld-Freundschaften halten? Wie verlässlich erkaufte Freunde sind? Ja ob man Vertrauen überhaupt erkaufen kann?
Seine Bilanz war klug, weil sie ehrlich war. Aber seine Lösung war ein Glücksspiel, weil man sich auf Menschen letztlich nie verlassen kann. Er setzte auf sich selbst und auf sein Denken!
 
Wie steht es um mich? Wie ehrlich ist meine Lebensbilanz? Und wie ehrlich bin ich zu mir selbst,
wenn ich nach Lösungen suche? Erkenne ich meine Grenzen. Sehe ich, was ich anpacken sollte
und gestehe ich mir ein, wo ich Hilfe brauche?
Da keiner von uns vollkommen ist, sollten wir uns zugestehen, dass wir alle letztlich auf Gottes Gnade angewiesen sind. Da wir alle von der Vergänglichkeit gezeichnet sind, sollten wir uns zugestehen, zu klären wo wir unsere Ewigkeit zubringen wollen.
Da wir alle es kennen, was es heißt niedergeschlagen, mutlos und verzagt zu sein, sollten wir nichts einander vormachen, sondern miteinander Zuflucht nehmen bei dem, der uns Orientierung und Hoffnung geben kann, auf den wir uns felsenfest verlassen können. Auch sollten wir nicht warten, bis wir wie unser Verwalter gezwungen werden, Bilanz zu halten. Ein guter Verwalter zieht von sich aus Bilanz um rechzeitig korrigieren zu können; um zur rechten Zeit den richtigen zu fragen.
Weil wir alle unsere Grenzen haben, gilt es zur rechten Zeit nach unserem Schöpfer zu fragen,
ja nicht nur nach ihm, sondern ihn selbst zu fragen.

Klüger sein, bedeutet für mich also zum Ersten: Meine Grenzen erkennen!

Und klüger sein bedeutet für mich:
2. Auf das verlassen, was wirklich trägt.    
Es geht um die Konsequenzen, die ich aus meiner Bilanz ziehe.
Der Verwalter in unserem Gleichnis hat zwar an seine Zukunft gedacht - und trotzdem zu kurz gedacht. Er hat nicht einkalkuliert, dass er sich auch einmal dafür vor Gott zu verantworten hat.
Auch hat er nicht eingerechnet, dass er andere in die Betrügereien mit hineingezogen hat.

Mit jedem Betrug, mit jeder hinterlistigen Kumpanei geht Vertrauen kaputt. Keiner kann wissen, wann er selber zum Opfer wird. Herz und Seele kommen nicht zur Ruhe, weil es im Menschlichen frostig  wird, weil die Geborgenheit untergraben wird.
Unser Verwalter fragte sich selbst: Was soll ich tun? Auch ich selber tue gut daran, zu fragen:
Was soll ich mit meinem Versagen tun?
Wenn ich mich an Jesus wende, dann kann ich sagen: So sicher wie der reiche Mann seinen Verwalter entlassen hat, so sicher kann ich sein, dass Jesus mich nicht verstoßen wird. So sicher kann ich sein, dass er mir vergibt, wenn ich ihn darum bitte.

Gott steht zu seinem Wort! Das lässt sich angesichts der Weltgeschichte prüfen - und ich kann es auch ganz persönlich erfahren wenn ich es wage, ihn beim Wort zu nehmen. Auch darin kann ich IHN beim Wort nehmen, dass Klugheit alleine noch nicht trägt:
- Denn Klugheit, ohne Liebe macht grausam. O ja - Klugheit ohne Liebe ist sehr kalt und
  grausam, so wie Glaube ohne Liebe die Menschen fanatisch macht.
- Klugheit mit Liebe macht weise und macht das Leben lebenswert.

Es trägt mich übrigens auch, dass ich nicht alleine bin. Wer sich eingesteht, dass er nicht vollkommen ist    und barmherzig mit der Schuld der andern umgeht, der merkt plötzlich, wie er viele Freunde hat, weil wir alle vor Gott schuldig sind - weil wir alle das von ihm Anvertraute  nicht gut genug verwaltet haben.
Wir sind Verwalter von Gottes Gaben: Die Natur, mein Leben, aber auch die Gnade und Liebe Gottes sind uns anvertraut, sie zu pflegen und zu bewahren.

Klug sein bedeutete für mich also zum Ersten: Meine Grenzen erkennen!
Klug sein bedeutete für mich zum Zweiten: Nur auf das verlassen, was wirklich trägt.

Und klug sein bedeutet für mich:
3. Meine Prioritäten richtig setzen!
Setze Deine Klugheit zum Segen ein. Denke daran, wie Gott Dir helfen kann - und dass ER es nicht nur kann, sondern auch will. Als „Kinder des Lichts“ klüger zu sein als die Kinder der Welt, das bedeutet das Ziel vor Augen zu haben.
Wenn Sportler einen Pokal erringen wollen,dann stellen sie ein Programm auf und fragen den Trainer. Dann lassen sie sich helfen, wenn es ihnen nützt und geben alles dran, ans Ziel zu kommen. Gott hat ein Ziel für jeden von uns!
Darum gilt es klug zu sein und zur rechten Zeit nach IHM zu fragen - ja alles mit IHM zu besprechen und IHN beim Wort zu nehmen.
    Denn der Kluge verliert das Ziel nicht aus den Augen. Amen!