Kreuz

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Predigt am Sonntag Okuli Schorndorf, 15. März 2020

Predigt am Sonntag Okuli Schorndorf, 15. März 2020
über Lukas 9,57-62                      
Pfarrer Thomas Fuchsloch

Sonntag Okuli - bezieht sich auf Psalm 25,15: „Meine Augen sehen stets auf den HERRN.“
Im Neuen Testament findet sich dazu im Hebräerbrief ein passender Vers (Hebräer 12,2)
Lasst uns aufsehen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens!

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Gnade sei mit uns - und Friede, von Gott unserem Vater
und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!

Predigttext: Lukas 9,57-62
57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm:
     Ich will dir folgen, wohin du gehst.
58 Und Jesus sprach zu ihm:
     Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester;
     aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach!
     Der sprach aber:
     Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
60 Aber Jesus sprach zu ihm:
     Lass die Toten ihre Toten begraben;
     du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
61 Und ein andrer sprach:
     Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor,
     dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind.
62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück,
     der ist nicht geschickt für das Reich Gottes
. (Wochenspruch Sonntag Okuli)

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Liebe Gemeinde,
beim Verabschieden nach dem Gottesdienstes kam eine Frau auf den Pfarrer zu und sagte:
„Sie haben mir viel gegeben!“ Worauf der Pfarrer antwortete: „Das muss sich erst noch
erweisen.“ Mit dieser Antwort dürfte sie wohl nicht gerechnet haben. Und doch steht ein tiefer Ernst dahinter. Gottes Wort hat nämlich die Verheißung, dass es nicht leer zurückkehrt, sondern wie der Regen etwas zum Wachsen bringt. Immer dann, wenn uns die biblische Botschaft tatsächlich anspricht, kommt etwas in Bewegung. Doch das ist zuweilen gar nicht so leicht, wenn uns am Montagmorgen erst mal die Pflichten und Sorgen wieder einholen. Bei wie viel guten Vorsätzen war schon am nächsten Tag die Luft raus?

Denen, die mit Jesus damals unterwegs waren, war es ernst gewesen: Sie wollten's an Nichts fehlen lassen. Sie hatten ein feines Gewissen, denn Sie wussten sehr wohl, was Sie den andern schuldig waren. Von zweien wird uns berichtet, dass sie nur schnell noch das Notwendigste erledigen wollten. Trotzdem sah Jesus sich veranlasst, mit Ihnen Klartext zu reden. Das gehörte zu Seiner Größe, dass Er nicht um sie anzulocken den Ernst herunter gespielt - ja verdrängt hätte. Jesus machte Ihnen nichts vor. Ob wohl Christus auch uns bremsen, uns wachrütteln müsste? So lobenswert es zunächst schien, dass da einer Ihm nicht mehr von seiner Seite weichen wollte. Doch Jesus machte ihm nichts vor. Sondern bremste ihn in seinem geistlichen Übermut, sondern holte ihn wieder auf den Boden der Tatsachen herunter.

Nichts anderes machte Jesus hernach mit dem Petrus, als dieser lauthals behauptete, ihn niemals zu verleugnen - selbst wenn er mit ihm sterben müsste. Doch sein Vorsatz sollte nicht lange Stand halten: Im den Kreisen des hohenpriesterlichen Palastes verleugnete Petrus nicht nur einmal, sondern gleich dreimal - und obendrein ist er mit all den andern zusammen bei der Kreuzigung davon gelaufen; ja sie hatten sich hinterher versteckt.

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Wenn wir Jesu Weg ans Kreuz betrachten, wird deutlich wie einsam Er doch war, wie oft sie Ihn allein gelassen haben. Im Garten Gethsemane hatten sie nicht einmal das Einfachste geschafft - nämlich mit Ihm zu beten, als Er sie darum gebeten hatte. Wenn es wirklich darauf ankam, hatte Er sich auf keinen wirklich verlassen können.
Und ich frage uns: Können andere sich eigentlich auf uns verlassen? Und wie ernst ist es uns im Blick auf Jesus? Können wir uns da eigentlich auf uns selber verlassen? Oder machen wir uns zuweilen was vor? Weichen womöglich aus, wenn es konkret wird? Denn das geht ja geschickt, weil doch der Volksmund behauptet, dass Glaube Privatsache sei. Stimmt das wirklich? Ist Glaube tatsächlich nur Privatsache? Oder hat Glaube nicht immer auch etwas mit dem Miteinander zu tun? Hat unser Glaube nicht Auswirkungen auf unser Verhalten? Wie wir miteinander umgehen? Ob wir einander auch vergeben?

Jesus hatte damals wahrlich Grund genug, sich enttäuscht von ihnen abzuwenden. Und wie ist das mit uns? Wie oft hatte Gott schon Anlass, von mir enttäuscht zu sein? Jesus wollte ihnen nichts vormachen. Er wollte sie nicht überfordern. Deshalb wehrte einem falschen geistlichen Übermut.

Bei Jesus gab es keine taktischen Spielchen, keine strategischen Versuche. Kein Kalkulieren oder Spekulieren. Weil Jesus der Realität ins Auge sah, ging Er ganz bewusst aber auch ganz einsam seinen Weg: Den Weg der Liebe, statt der Gewalt. Den Weg der Güte, statt der Einschüchterung. Den Weg der Vergebung, statt der Vergeltung. Dafür war er unterwegs - unterwegs zu den Menschen und unterwegs in Richtung zu Seinem und zu unserem „Vaterhaus“. Von der Krippe über die Flucht nach Ägypten, durch das Land des barmherzigen Samariters, bis an Kreuz gab es für Ihn keine feste Bleibe. Wie sagte Er doch gleich: „Die Füchse haben Gruben, und die Vögel haben Nester, aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen könnte.“

Dabei hatte er für seinen Vergleich die Füchse und Vögel ganz gezielt ausgewählt! Denn Sie zählen zu den unruhigsten unter den Tieren. Für uns Schwaben, die wir fortwährend am grubeln und grübeln sind, hätte Er wahrscheinlich die Maulwürfe ausgewählt. Egal welche Tiere herhalten müssten:
- Christen sind keine Maulwürfe, die ab und zu auftauchen und markante Häufen hinterlassen, wo Sie etwas gearbeitet haben.
- Christen sind keine Füchse, die sich auf geistliche Raubzüge machen, oder in der Sonne der
  Sensationen herumtollen, um hernach sich in ihren Gruben zu verkriechen.
- Christen sind auch keine Frösche, die zu allem ihr Quak geben, um hinterher wieder
  abzutauchen.
- Und Christen sind keine Eintagsfliegen, die im Taumel der Begeisterung den andern
   um den Kopf schwirren, und hernach auf dem Boden liegen.

Als Christen sind wir letztlich immer an unserer Beziehung zu Jesus Christus zu erkennen! Und als  Christen sollten wir uns vielmehr bewusst machen, dass wir hier keine bleibende Statt haben; und auch unsere Seele weder an etwas Vergängliches noch an Menschen verkaufen sollten. Und wir sollten uns eingestehen, dass wir auf Gottes Liebe und Geduld, - auf Jesu Korrektur und Hilfe - einfach angewiesen sind.
Diese Hilfe Jesu kann ganz unterschiedlich sein. Die drei, von denen uns von Lukas berichtet wird, bekamen die unterschiedlichsten, eben ganz individuelle Antworten von Jesus:
Während Er den Ersten vor einer falschen Euphorie warnte, sagte Er zu dem Zweiten: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes.“ Offensichtlich spielte Jesus darauf an, dass es schon damals einen toten Totenkult gab - ohne eine Hoffnung auf das ewige Leben, - einen Totenkult, in dem das Reich Gottes überhaupt nicht vorkam. „Geh hin und verkündige das Reich Gottes“, das gilt doch in besonderer Weise auch für den Friedhof.

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Wie anders sollten wir uns trösten, als mit der Hoffnung auf das Reich Gottes. Wenn es um Jesu willen keine Auferstehung geben würde, wäre eine Beerdigung nur ein Schauspiel zur Verdrängung der Hoffnungslosigkeit. Ohne Auferstehungshoffnung wäre eine Beerdigung leeres Geschwätz und Getue. Wer aber angesichts des Todes vor sich selbst davonläuft, der gleicht dem verlorenen Sohn, von dem Lukas in einem Gleichnis berichtet: Als der verlorene Sohn endlich wieder zu seinem Vater zurück gekehrt war da sagte der Vater: „Dieser mein Sohn war verloren - und ist gefunden worden; er war tot - und ist wieder lebendig geworden.“ Weil Jesus eine lebendige Auferstehungshoffnung den Menschen geben wollte, darum duldete er keinen Aufschub. Seine Weisung war klar: Mach dir nichts vor:
Geh und verkündige das Reich Gottes!

Ähnlich scheint auch die Warnung an den Dritten gewesen zu sein, der erst noch eine Abschiedsfete feiern wollte. Jesus hatte wohl die Sorge, dass ihn jemand bei dieser Abschiedsfete hätte verunsichern und zurück halten können. Auch wir stehen in Gefahr, so vereinnahmt zu werden, dass wir Jesus aus dem Blick verlieren könnten oder dass unser Glaube einschlafen könnte. Das gibt es immer wieder, dass wir nicht loslassen, was uns festhält; - nicht wahrnehmen, was uns von Jesus abhält; - nicht aufgeben, was den heiligen Geist dämpft. Was wird da an Kraft, an Verkrümmung geleistet, um das entschuldigen zu wollen, was uns festhält und abhält.

Doch wer ein Neues pflügen will, muss nach vorne schauen. Jesus sagt: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes!“ Oder anders gesagt: Wer zurück sieht, zieht krumme Furchen. Die sogenannte „Volxbibel“ übersetzt es noch extremer: „Wer beim Fahren nach hinten guckt, landet am Baum.“ Auch wir sollten bei dem, was wir in unserem Leben pflügen, in Richtung Ewigkeit vorausschauen, damit wir später nicht wehmütig auf unser Leben zurückschauen. Zielsicher zu pflügen und bewusst Neues zu pflanzen, das heißt: Verkrustetes aufzubrechen, - Liebe und Barmherzigkeit auszusäen, - und Hoffnung und Trost einzusetzen, um hernach Freude und Dank zu ernten.

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Liebe Gemeinde,
wenn Jesus uns dazu auffordert, zu gehen und zu pflügen, dann bedeutet dies, dass wir wie der Vater Abraham uns auf den Weg machen, lediglich mit einer Segensverheißung in der Tasche, unwissend was kommt und doch in der Gewissheit, bei Gott geborgen zu sein.
Dann bedeutet es aber auch, dass Gott uns sucht, wenn wir verzagen oder aufgeben, wie Er den Propheten Elia suchte, der mehr mit dem Tod, als dem Leben gerechnet hat;
Dann bedeutet es auch, dass wir nicht zurückschauen sollten, wie Lot, als er das Sündige, als er Sodom und Gomorra zu verlassen hatte.

Wir sind gefordert, nicht wie Füchse und Vögel uns in der Nestwärme unserer Kreise und Versammlungen zurückzuziehen, sondern uns aufzumachen und zu pflügen.
Lasst uns das Ziel vor Augen behalten, damit wir uns nicht selbstgefällig im Kreise drehen.
Ja, lasst uns zu Jesus aufsehen, auf Ihn hören und hoffen. Denn wir alle sind unterwegs und brauchen den, der uns leiten und begleiten kann; der uns helfen und dann auch einmal heimbringen will.
Amen!