Autokino-Gottesdienst                                    Schorndorf, 10. Mai 2020
„Was trägt in schweren Zeiten?“                   Pfr. Thomas Fuchsloch


Gnade sei mit uns - und Friede,
von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird.
Amen!


Der Wochenspruch zum Sonntag Kantate steht steht Psalm 98,1:
„Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

Was trägt dich in schweren Zeiten?
Liebe Gemeinde,
am vergangenen Donnerstag, dem 8. Mai, gedachten wir der Ende des 2. Weltkriegs vor 75 Jahren. Die Kriegsjahre und die Zeit des Wiederaufbaus danach waren eine schwere Zeit.
Viele Menschen haben miteinander Halt, Orientierung, Trost und Hoffnung gesucht.
Nach dem Kriegsende waren die Kirchen voll. In der Kirchengemeinde Kuchen im Filstal, wo ich als Vikar war, gab es nach dem Krieg Erweiterungspläne für die Kirche, weil sie für den Andrang der Gottesdienstbesucher zu klein war. In meiner Zeit vor 30 Jahren gab es dafür keinen Bedarf mehr.
In den 70er Jahren beschrieb ein Amtsbruder den neuen Trend bei den Kirchenrenovierungen: Für die Bequemlichkeit schafft man größere Abstände zwischen den Bankreihen, macht die Gänge breiter und zieht den Altarraum weiter ins Kirchenschiff vor, damit bei weniger werdenden Gottesdienstbesuchern, die Kirchen immer noch voll wirken.
O ja - Not lehrt beten und Jesus Christus ermutigt uns:  „Bittet, so wird Euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan “ (Matthäus 7,7). Und an anderer Stelle heißt es: „Ihr habt nicht, weil ihr nicht bittet“ (Jakobus 4,2) - und: „All eure Sorge werft auf ihn, denn er Sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7). In der schweren Zeit der Not, hatten viele miteinander bei Gott Zuflucht genommen!
Im April 1815 war der Ausbruch des Tambora. Über 100 m³ Gestein, Asche und Staub wurden in bis zu 43 km hoch geschleudert. Nach der Expolsion war der Vulkan 1.500 Meter niedriger als zuvor. 10.000 Menschen starben direkt durch den Ausbruch, 100.000 starben durch die nachfolgende Hungerkatastrophe. Die Explosion dieses Vulkans in Indonesien führte bei uns zu einer klimatischen Katastrophe. Der darauffolgende Winter war der kälteste in Württemberg seit es Wetteraufzeichnungen gibt. er folgende Sommer fiel aus! Es gab nahezu keine Ernte. Viele Menschen flüchteten - wanderten aus. Als es im nächsten Jahr wieder eine Ernte gab, war  das der Start eines gigantischen Erntedankfestes, das die meisten von uns kennen, aber kaum jemand um den Ursprung weiß - nämlich das Cannstatter Volksfest, das König Wilhelm I. Aus Dankbarkeit ins Leben gerufen hatte - das dieses Jahr einfach ausfällt.
Der Ausfall des Cannstatter Volksfestes könnte uns nachdenklich machen. Und im nächsten Jahr vielleicht an die Dankbarkeit nach schwerer Zeit erinnern.

Was trägt dich in schweren Zeiten?  
Das bewegte Menschen zu allen Zeiten  - auch zu biblischen Zeiten! Eine Antwort auf das was trägt, finden wir beim Propheten Jesaja im 43. Kapitel. Eine Botschaft an diejenigen, welche durch Nebukadnezar in Ghettos nach Babylon verschleppt worden waren.
Da lesen wir in Jesaja 43, Vers 3 und 5 zusammengefasst:
„Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, dein Gott.“  
Das war eine Botschaft des Propheten in Richtung Babylon an die Gemeinschaft des Volkes und zugleich  an jeden Einzelnen des Volkes ganz persönlich. „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, dein Gott.“  
Diesem Satz, diesem Zuspruch, möchte ich in drei Etappen nachspüren.

1. Fürchte dich nicht!
Mit eben dieser Aufforderung beginnt nicht nur unseren Vers - diese Aufforderung eröffnet zugleich das ganze 43. Kapitel. Viele kennen diesen markanten Eröffnungsvers:
„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;  ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“  (Jesaja 43,1).
Ein Zuspruch an das ganze Volk, der ganz persönlich gehalten ist. O ja, das verbindet uns: Dass wir alle miteinander Sorgen, Nöte und Ängste kennen, Ereignisse und Krankheiten die uns unsicher machen, die sich im Alltagstrott quer stellen.
Fürchte dich nicht! - dieser Zuspruch zieht sich durch die gesamte Bibel. „Fürchte dich nicht!“ kommt mindestens 70 mal vor - „Fürchtet euch nicht!“  kommt nochmals mindestens 48 mal vor. Das sagte Mose zu den Israeliten beim Auszug aus Ägypten, als sie am Meer standen  und nicht wussten, wie es weitergehen sollte: „Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet/sollt stille sein“ (2. Mose 14,13a.14). Das sagte Jesus, als die Jünger beim Sturm auf dem See Genezareth panische Angst hatten, sie würden untergehen. Da sprach Jesus wörtlich: „Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch“  (Matthäus 14,27). Und jedes Mal erlebten sie das helfende Eingreifen Gottes.
Machen wir uns nichts vor: Angst und Furcht gehört zur Realität unserer Welt; wo aber Gottes Nähe bewusst wahr genommen wird, gibt es einerseits diesen Zuspruch und andererseits eine konkrete Hilfe - durchaus auch zuweilen auf überraschende Weise.
Kurz nochmals zurück zu diesem „Fürchte dich nicht!“ in dem Kapitel bei Jesaja. Da geht es auch darum, dass die Vergangenheit, genau genommen, das was schief gelaufen ist, durchaus aus eine belastende Furcht bereiten kann. Nämlich immer dann, wenn einen die Vergangenheit wieder einholt. Deshalb lässt Gott durch den Propheten etwas erstaunliches ausrichten. Da heißt es in Vers 24-25: „Mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. Ich aber tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“  Was für eine Botschaft: Du brauchst Dich auch nicht vor dem zu fürchten, was schief gelaufen ist; - was zerbrochen ist; - worin du dich und andere verletzt hast!
Das war ein Vorschuss an die Menschen des Alten Bundes weil die es genau so brauchten, wie wir. In Jesus hat der Vater im Himmel diesen Vorschuss dann eingelöst - durch die Versöhnung am Kreuz auf Golgatha. Wenn wir Gottes Gnade annehmen, die Vergebung persönlich annehmen, dann brauchen wir uns vor dem Schaden der Vergangenheit nicht mehr zu fürchten. Sondern wir sollten nach vorne sehen und das Ziel nicht aus den Augen verlieren; - denn egal, wie lang oder kurz wir leben - entscheidend ist, dass wir ans Ziel kommen, diese Gemeinschaft auf ewig erleben, die Gott uns jetzt schon zusagt, jetzt schon davon erfahren lassen will. Darum: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, dein Gott.“  

2.  Ich bin bei Dir!
Gott ist da - Gott ist nah! Nur ein Gebet weit entfernt. Was weder Netflix, noch Alkohol schaffen, das kann Gott, der in Rufweite ist. Wenn wir nur Rufen, wenn wir ihn einbeziehen - nach Seiner Betriebsanleitung für uns Menschen fragen, kann und will Er uns helfen
Zuweilen vergessen wir unsere Seele. Immer wenn wir traurig sind, ängstlich - wenn Sorgen uns umtreiben, dann ist unser Seele gestresst! Das hält sie zwar aus, aber letztlich geht unser Gemüt dabei kaputt.
In den letzten Tagen haben wieder mehr ihre Seele wahrgenommen. Viele hatten keine Zeit mehr für ihre Seele weil sie dauernd beschäftigt waren. Dabei ist unsere Seele sehr sensibel. Sie kann schreien - sie kann Durst haben, wie ein kleines Kind. Deshalb gibt Psalm 131 uns einen ganz wichtigen Tipp. Da heißt es im 2. Vers:
„Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden wie ein kleines Kind bei seiner Mutter.“ Bei dem, worin wir, wodurch unsere Seele gefordert wird, brauchen wir solch ein Anlehnen, ein zur Ruhe kommen, einen inneren Frieden, den wir weder machen, noch kaufen können - für den es auch keinen Impfstoff gibt!
Manche haben Angst vor der Nähe Gottes! Ich bin froh - dass ich ihn nicht erst finden oder gar erfinden muss. ER ist einfach da, einfach nah. ER drängt sich allerdings nicht auf.  Doch das ist ein Problem für viele. Da ist Gott ganz, ganz nah und so viele merken es nicht, weil sie immer noch neben IHM, als mit IHM leben wollen - ja das versuchen, was sie letztlich gar nicht schaffen, wenn sie bloß ehrlich zu sich selber wären.
Da ist Gott ganz nah! Und es nützt vielen nichts, weil sie nicht mit IHM reden; IHN weder bitten noch fragen. Es macht mich nachdenklich, wenn im Neuen Testament im Jakobusbrief steht: „Iht habt nicht, weil ihr nicht bittet “ (Jakobus 4,2).
Und noch abschließend der Schluss des Verses: „Fürchte dich nicht, ich bin bei dir, dein Gott.“

3. Die Zusage endet mit zwei Worten: Dein Gott!
Die Zusage richtet sich an alle und ist doch so persönlich: „Dein Gott!“  Nicht ein Gott, sondern mein Gott und Dein Gott! Wir stöhnen so manchmal, wenn uns etwas auferlegt wird:
- Wir stöhnen über Steuern; wir stöhnen, weil wir zu wenig Zeit haben; wir stöhnen, weil wir vereinnahmt werden; ja Auflagen bekommen, die uns gar nicht passen. Aber Gott will mit uns persönlich ins Gespräch kommen. ER macht darin keinen Unterschied, dass eine jede, ein jeder IHM am Herzen liegt. IHM ist nicht egal, was mit uns passiert, wenn wir sterben. IHM ist nicht egal, wenn wir uns fürchten, wenn wir unsere Grenzen zu spüren bekommen, oder wenn wir uns gar verletzen.
Haben wir uns schon mal gefragt, was uns alles entgeht, wenn wir uns nicht vergeben - wenn wir uns von IHM nicht segnen lassen? Was halte ich von IHM, der für mich da sein will, wie niemand anderes es tun könnte? Was halte ich von IHM, der so nah ist - und ich so weit weg?
Was hält mich, was hält mich wirklich? Welche Perspektive habe ich, wenn es nicht so läuft, wie ich denke - wie ich es mir wünsche - wie ich es will?
Was hält mich in guten, wie in schweren Zeiten?
Was hält mich in der Blüte und am Ende meines Lebens? Was hält mich, wenn ich nichts mehr halten kann?
Ich bin froh um den zu wissen, der nicht müde wird, es mir immer wieder neu zu sagen:
„Fürchte dich nicht -  ich bin bei dir, dein Gott!“
Amen!