Weiße Taube auf Dach

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Predigt aus 2. Timotheus 1,7-10, aus aktuellem Anlass

Predigt am Sonntag, 22. März 2020
über 2. Timotheus 1,7-10           
Pfr. Thomas Fuchsloch

Der Predigttext ist bewusst ausgewählt im Blick auf die momentane Situation:

Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

2. Timotheus 1,7

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Gnade sei mit uns - und Friede,
von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!

Liebe Gemeinde,
in Taiwan gibt es immer zu Neujahr eine ganz besondere Zeremonie mit der Statue des Küchengottes.
Die Leute glauben nämlich, dass dieser Küchengott einmal im Jahr zum Obergott, zu dem
Jadekaiser geht, um ihm Bericht zu erstatten. Was der Küchengott dem Himmelsgott erzählt,
entscheidet über das Schicksal der Familie im nächsten Jahr.
Bevor nun der Küchengott zu seiner Reise aufbricht, werden ihm Süßigkeiten, Geistergeld und
Papierpferdchen zur Erleichterung der langen Reise angeboten. Und dann kommt der Clou: Weil man ja nicht in des Teufels Küche kommen will, bestreicht die Familie die Lippen des Küchengottes mit Malzzucker, Honig und Marmelade. Denn nun können, bei dessen Bericht nur noch süße Worte über die Lippen gehen. Doch nur ein menschenerdachtes und menschengemachtes Götzenbild kann man so manipulieren:
- Es ist schon süß, was die sich für einen Gott ausgedacht haben.
- Es ist unglaublich, was die Menschen alles glauben.
- Es ist beachtlich, was Menschen an ihren Gott für Versprechungen machen,
  wenn er ihre Bitte erhören sollte.
Und das alles aus Furcht, es könnte anders laufen, als sie es sich wünschen; es könnte anders kommen, als sie es sich erhoffen. Die Furcht, dass etwas anders laufen könnte, als wir es uns wünschen, mag in unseren Tagen viele von uns bewegen.
Da sind Sorgen und Ängste vor dem, was wir nicht in der Hand haben.
Und es stellt sich die Frage, an was klammern wir uns? Was gibt uns Orientierung und Halt?
Gott lädt uns ein, Ihm zu vertrauen - ja all unsere Sorgen und Ängst im Gebet anzuvertrauen:
Petrus schreibt in dem ersten seiner beiden Briefe: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er
sorgt für euch
. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie
ein brüllender Löwe. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass eben dieselben Leiden
über eure Brüder (und Schwestern) in der Welt gehen.“ (1. Petrus 5,7-9)

Und in unserem heutigen Predigttext schreibt Paulus an Timotheus, mit dem er zuvor 18 Jahre
lang auf Missionsreisen unterwegs war. Er erinnert Timotheus an den Herrn und Gott, der aus
Liebe - in Zeit und Ewigkeit - Gemeinschaft mit uns haben will. Und dessen Einladung es weiter zu geben, die es zu bezeugen gilt.

Predigttext: 2. Timotheus 1,7-10
07 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
     sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

08 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn
     noch meiner, der ich sein Gefangener bin,
     sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.
09 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf,
     nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluß
     und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt,
10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus,
    der dem Tode die Macht genommen und das Leben
     und ein unvergängliches Wesen
     ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

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Liebe Gemeinde,
„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit!“ Von diesem ersten Vers ausgehend - von der Liebe und der Besonnenheit und der Kraft - möchte ich unseren Predigttext anhand von drei Fragen erschließen:
1. Ist meine Liebe zu Jesus größer,
    als die Furcht vor den Menschen?
2. Ist mein Wissen um die Auferstehung größer,
    als dir Furcht vor dem Tod?
3. Ist die Kraft des Auferstandenen größer,
    als die Furcht vor meiner eigenen Schwäche?

1. Ist meine Liebe zu Jesus größer, als die Furcht vor den Menschen?
Offensichtlich war Paulus besorgt, Timotheus könnte sich schämen, Jesus zu bezeugen und es könnte ihm womöglich peinlich sein, mit ihm, dem Paulus, in Beziehung gebracht zu werden, weil er letztlich wieder einmal um seines Glaubens willen ins Gefängnis gekommen ist. Ich kann mir vorstellen, wie so manch einer es gut mit Timotheus meinte und ihm entsprechend geraten hat:
„Lass endlich die Finger davon! Halte dich endlich zurück! Du siehst ja, wohin es führen kann,
wenn man sich darauf einlässt ein Zeuge von Jesus zu sein!“
Aus Sorge erinnert Paulus den Timotheus, dass die Liebe zu Jesus wichtiger ist als die Furcht vor den Menschen: „Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserem Herrn - noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium.“ Das ist schon merkwürdig, letztlich ist schon fast ein Witz: Das Evangelium, die gute Nachricht, die Botschaft von der Liebe Gottes ist doch eigentlich ein Grund zum Jubeln, zum Freuen und Frohsein und kein Anlass sich zu schämen oder gar dafür zu leiden. Wie verdreht, wie verkehrt ist unsere Welt eigentlich? Da können in der Regenbogenpresse oder im Fernsehen, die größten Skandalgeschichten, die größten Gemeinheiten, Fehltritte und Schweinereinen vermarktet werden und kaum einer schämt sich! Da kann einer die sonderbarsten Dinge daher reden, da kann einer sagen, er glaubt, früher schon einmal auf derWelt gelebt zu haben. Laut und ohne Scheu kann man fast alles behaupten und wird nicht einmal dafür belächelt. Doch als Christ ist das anders; da erntet man nicht selten ein müdes Lächeln, hinter vorgehaltener Hand wird gespottet und in nicht wenigen Teilen der Welt sogar verfolgt. Daran hat sich seit damals nichts geändert: Die Botschaft von Jesus Christus bleibt ein Fremdkörper in unserer Welt. Das Kreuz ist für viele ein Anstoß, eine Torheit. Die Liebe Gottes und der Rettersinn Jesu passen nicht ins Getriebe in dieser Welt.

Da trällert uns der bescheuertste Stumpfsinn an die Ohren und kaum einer nimmt Anstoß - im
Radio hörte ich einmal das Lied: „Ein Tag mit dir im Paradies ist mir die Hölle wert!“ So etwas wird einfach vermarktet als wenn es völlig normal wäre - und keiner schämt sich. Aber Christen scheuen sich zuweilen - in der Öffentlichkeit vor dem Essen zu beten; - Schüler lassen ihre Bibel im Schullandheim lieber weggepackt - und nur Wenige trauen sich bei öffentlichen Diskussionen, sich auf die Bibel zu berufen. Eigenartig, warum die Liebe Jesu, warum das Angebot des „offenen Himmels“ - damals, wie heute - so geringschätzig abgetan wird, so abschätzig heruntergeputzt wird. Dabei bringen wir Menschen ja mehr als genug Sorgen und Ängste hervor: Und dem Tod kann keiner entweichen, so selbstsicher er auch leben mag. Denn wir werden alle einmal sterben - keiner hat „hier auf Erden eine bleibende Stadt“ (Hebr. 13,14). Und wie ohnmächtig wir doch letztlich sind, ahnen und verspüren wir weltweit, seitdem die Krise wegen des Corona-Virus sich in den vergangenen Wochen und Tagen so eklatant verschärft hat.

Paulus ließ sich nicht entmutigen. Er schämte sich nicht, dass Jesus ihn ganz persönlich getroffen, ihn persönlich angesprochen hatte. Seine Liebe zu Jesus war stärker als die Furcht vor allem - vor den Menschen und vor dem Tod.
Wenn aber die Liebe zu Jesus auch bei mir immer mehr Raum gewinnt, kann auch die Liebe zu den andern wachsen. Da kann ich vergeben, weil auch mir vergeben wird. Da kann ich trösten, kann ich Frieden stiften, weil ich selber solches erfahre, ja weil der Geist Jesu, der heilige Geist, - der Geist der Liebe und der Kraft und der Besonnenheit sich bei mir immer mehr entfalten kann.

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Und damit zur zweiten Frage:
2. Ist mein Wissen um die Auferstehung größer als die Furcht vor dem Tod?
Manch einem mag diese Frage zu theoretisch, zu hoch gegriffen, vielleicht auch zu lebensfremd klingen. Und es stimmt tatsächlich: Es ist die größte Auseinandersetzung, die größte Herausforderung der wir uns überhaupt stellen müssen. Solche Gedanken über‘s Sterben - und was danach kommt, begrenzen allerdings nicht wenige Zeitgenossen auf die kurzen Momente wenn sie zu einer Beerdigung auf den Friedhof müssen. Soweit sie es überhaupt an sich rankommen lassen.

Dabei kann keiner dieser Tatsache entweichen. Und es hat für mich sehr wohl Folgen, wenn dem Tode die Macht genommen ist, und ich dies Orientierungslicht des Evangeliums habe. Der Geist der Besonnenheit hilft mir den Durchblick für meine Ewigkeit zu bekommen. Gott will uns überhaupt in unseren Fragen und Sorgen durch den Geist der Besonnenheit die nötige Nüchternheit und den erforderlichen Durchblick geben. Er will uns helfen, Dinge geistlich einzuordnen - und auch helfen die Geister zu unterscheiden. Zur Besonnenheit gehört nüchtern gesehen auch so etwas, wie ein „Geist der Vorsicht“ - eine Art Schutzfunktion, die uns vor Gefahren zurückweichen lässt. Doch im Blick auf Jesus und sein Evangelium geht es nicht um den „Geist der Vorsicht“, sondern um den zermürbenden Geist der Furcht.
Besonnenheit hilft uns auch zum Maßhalten, zum Teilen oder gar zum Verzichten. Wir brauchen die Besonnenheit, um nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Tat ein Zeugnis zu geben. Gott hat uns einen Verstand gegeben, dass wir ihn einsetzen.
Im Radio habe ich noch so ein Lied entdeckt, das viele als ein christliches Kinderlied kennen; - nämlich: „Gott hält die ganze Welt in seiner Hand!“ Doch es wurde in der neuen Version geradezu ins Gegenteil verkehrt. So nach dem Motto: Du kannst dir deinen Gott sparen, wenn du nur selbstbewußt alles anpackst. Da heißt es: „Du hast dein Schicksal in der Hand!“ - und „Nimm dein Schicksal in die Hand!“ Wäre ja toll, wenn das bloß so einfach wäre. Dann würden viele sofort ihre Arbeits- oder Schulprobleme, ihre Ehe- und Krankheitsprobleme kurzerhand lösen. Dann würde es ja nur noch an einem selber liegen, um alles in den Griff zu bekommen; und die, die es nicht schaffen, wären dann halt zu dumm und selber schuld.

Allerdings übe ich mich darin, dass ich nicht dem Schicksal oder gar Gott alles in die Schuhe schiebe, wofür wir Menschen eigentlich selbst verantwortlich sind. Und ich bin froh, dass ich mich an das halten kann, was mit wirklich Halt gibt. So wie es in dem Lied heißt: „Herr, weil mich festhält deine starke Hand, vertrau ich still!“

Ich weiß, es gibt vieles, was mir Probleme, was mir Ängste und Sorgen macht - bis hin zu meinen Fehlern und meiner Vergänglichkeit: Gott nimmt das zwar nicht weg, aber er hat dem allem die Macht genommen; ich bin nicht mehr ausgeliefert, selbst dem Tode hat er die Macht genommen.

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Darum zur dritten und letzten Frage:
3. Ist die Kraft des Auferstandenen größer als die Furcht vor meiner eigenen Schwäche?
Wenn nämlich Gott in der Auferstehung etwas Neues zu schaffen vermag, dann muss seine Kraft auch für all das andere, weit aus Geringere reichen. Übrigens: Diese neu schaffende Kraft Gottes brauchen wir wahrscheinlich öfters, als uns das bewusst sein mag: z.B. Wenn Gott uns durch Vergebung einen neuen Anfang ermöglicht. Und es ist gut, dass die Quelle der Kraft bei ihm liegt und nicht bei uns. Der Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit wurzelt bei ihm - die Furcht dagegen, die bringen wir hervor!
Deshalb ist es gut, sich ganz auf ihn zu verlassen, denn wir sind allzuschnell träge oder müde und leer. Wohl dem, der sich übt, noch viel mehr sich auf Gott und seinen Geist zu verlassen;
wohl dem, der sich nicht schämt, im Licht des Evangeliums zu leben.
Dann kann Gott durch seinen Heiligen Geist auch unsere Gaben gegenseitig ergänzen:
- Dann kann der eine mehr Besonnenheit,
- der andere mehr die Kraft
- und der Nächste mehr die Sicht der Liebe einbringen.

Entscheidend ist, dass wir miteinander noch viel mehr Gottes Möglichkeiten entdecken
- und begreifen, dass ER viel größer ist als wir denken. Amen!