Wochenspruch:
aus Johannes-Evangelium Kap. 3

          
  “Der Menschensohn muss erhöht werden,
              damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.”

Predigt am Palmsonntag, 5. April 2020

 Predigt am Palmsonntag                                   Schorndorf, 5. April 2020
 Johannes 12,12-16                                             Pfr. Thomas Fuchsloch

Gnade sei mit uns - und Friede, von Gott unserem Vater
und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!

Der Palmsonntag verdankt seinen Namen den Menschen, die Palmzweige streuten, als Jesus auf einen Esel reitend in Jerusalem Einzug hielt. Dabei haben sowohl der Esel, wie auch die Palmzweige eine besondere symbolische Bedeutung.

Dazu zunächst zwei Hinweise:
1. Der Esel ist im Judentum das Königstier!
Der jüdische König hatte zu seiner Krönung auf einem Esel zu reiten - vgl. 1. Könige 1,38 (Salomo bei seiner Salbung zum König am Gihon). Er durfte auf keinem Pferd reiten, da Pferde auch als Kriegstiere galten (Salomo hätte genügend von ihnen gehabt). Israel hatte ja nur wegen ihres Eigensinns einen König von Gott bekommen (Saul, David, Salomo .....), denn sie hätten keinen gebraucht - ist doch Gott ihr König, der auch für sie streitet - vgl. die Erfahrung vom Schilfmeer beim Auszug aus Ägypten, als sie das Meer vor sich und die Feinde im Genick hatten. „Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, stehet fest und sehet zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. ................ Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet / sollt stille sein.“  (2. Mose 14,13a.14). Auch wir haben zuweilen ein Meer von Sorgen vor uns und bekommen eins ins Genick - dann ist es wichtig auf den Herrn zu vertrauen.
Der Einzug Jesu in Jerusalem auf dem Esel war also der Einzug eines Königs, genauer gesagt, des „Königs der Könige“ (1. Timotheus 6,15). Dazu streuten sie Palmzweige - als „Siegeszeichen“. Denn Palmen sind symbolisch ein Zeichen für „den Sieg des Lebens“ (Palmen an Oasen stehen für den Sieg des Lebens über den Tod der Wüste). Damit ist Jesus der König der Könige, der den Tod besiegt und damit ewiges Leben ermöglicht. Deshalb zieren immer wieder Palmzweige die Särge und sind auf Grabsteinen zu finden. Früher waren auch bei den Autos der Bestatter Palmzweige in die Scheiben eingraviert und auf dem Friedhof in die schwarzen Tücher der Sargwagen eingestickt.

2. Der Esel vom Anfang bis zum Ende - von der Geburt in Bethlehem bis zum abschließenden Einzug in Jerusalem! War nicht ein Esel auch im Stall von Bethlehem ganz nah dabei? Immerhin sind Ochs und Esel in unzähligen Weihnachtskrippen zu finden. Doch in den Weihnachtsberichten von Matthäus und Lukas steht nichts von ihnen geschrieben. Wohl aber beim Propheten Jesaja ist zu lesen: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt's nicht, und mein Volk versteht's nicht.“ Damit ist jede Weihnachtskrippe, in der wir Ochs und Esel finden, eigentlich eine Predigt von Jesaja 1,3. Was aber bedeutet das für uns?
a) Ein Ochse kennt seinen Herrn und auch wir sollten unseren Herrn kennen! Jesus hat uns alles offenbart. In der Bibel steht alles, was notwendig ist. Wenn wir einmal vor Gottes Richterstuhl stehen wird es keine zurückgehaltenen Offenbarungen geben. Wir können uns auf Gott verlassen. Er steht für die Wahrheit. Jesus sagte: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich!“ (Joh. 14,6). Um den Herrn zu bezeugen, sollten wir Ihn auch kennen, damit unser Zeugnis auch echt ist. Indem wir mit Ihm leben, lernen wir Ihn immer besser kennen!
b) Ein Esel kennt die Futterkrippe seines Herrn! Das heißt für mich: Ich weiß, wo meine geistliche Speise herkommt, ohne die meine geistliche Kraft allzuschnell verbraucht wäre. Ich weiß um das „Brot des Lebens“ (Joh. 6,22 ff) und das „lebendige Wasser“ (Joh. 8,1 ff) und das „Heilige Abendmahl“. Ich will nicht dümmer wie ein (Quadrat-) Esel sein!

Unser Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Johannes-Evangelium, 12,12-16
12   Als am nächsten Tag die große Menge,
       die aufs Fest gekommen war, hörte,
       dass Jesus nach Jerusalem käme,
13   nahmen sie Palmzweige
       und gingen hinaus ihm entgegen und riefen:
       Hosianna! Gelobt sei, der da kommt
       in dem Namen des Herrn, der König von Israel!
14   Jesus aber fand einen jungen Esel
       und ritt darauf,
       wie geschrieben steht (Sacharja 9,9):
15   »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion!
       Siehe, dein König kommt
       und reitet auf einem Eselsfüllen.«
16   Das verstanden seine Jünger zuerst nicht;
       doch als Jesus verherrlicht war,
       da dachten sie daran,
       dass dies von ihm geschrieben stand
       und man so mit ihm getan hatte.

Liebe Gemeinde,
ich möchte den Einzug Jesu auf dem Esel dazu nehmen, anhand von einigen „Eselsbrücken“ darüber nachzudenken, welche Rolle der Esel spielt und was er uns lehrt - was wir von ihm lernen können. Denn wir können und sollten Jesus in unsere Welt hineintragen, gerade so, wie der Esel damals Jesus nach Jerusalem hineingetragen hat.
Im Matthäus-Evangelium lesen wir sogar, welche Anweisung Jesus seinen Jünger gab, als er sie aussandte, eine Eselin mit ihrem Füllen (Jungtier) zu holen. Er sagte:  „Wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer! Sogleich wird er sie euch überlassen“ (Mt. 21,3).
„Der Herr bedarf ihrer!“ - das bedeutet dann auch für uns, wenn wir bereit sind Jesus mit seiner Liebe und seinem Evangelium in die Welt zu tragen: - Der Herr bedarf deiner und meiner!

Und das ist meine 1. Eselsbrücke: Der Herr will es mit mir zu tun haben! Als Jesus damals die Jünger losschickte, um einen Esel zum Einzug zu holen, da sagte er zu ihnen: Wenn euch jemand fragt, so sagt: Der Herr bedarf seiner!" O ja - der Herr bedarf meiner, er will ankommen in einer Welt, in der die Menschen im einen Augenblick himmelhoch jauchzen und Hosianna schreien, und im nächsten Augenblick den andern ans Messer, ans Kreuz liefern. Zu was sind Menschen nicht alles fähig? Doch gerade deshalb sagt Jesus: Ich möchte es mit dir zu tun haben, ich bedarf deiner, trotz aller Sturheit, trotz Trägheit und Bockigkeit.

Die 2. Eselsbrücke sind die Eselsohren: Ich meine nicht die in den Büchern; die können mich allenfalls daran erinnern. Nein ein Esel kann seine Ohren um 180° wenden und ganz still dabei stehen bleiben. Das ist der Grund, weshalb eine umgeknickte Seitenecke in einem Buch/Bibel auch als „Eselsohr“ bezeichnet wird. Auch für uns Christen ist es wichtig, in allen Lagen zuzuhören, Gott zu hören, und den, den er mir als Nächsten anvertraut. Es ist so wichtig, die ganze Heilige Schrift rundum zu hören. Zu hören, was Gott uns zu sagen hat, denn es sind so viele Meinungen über ihn im Umlauf. Auch wenn es manche anders meinen, Jesus sagt es in unserem Predigtabschnitt von sich selbst: Er ist nicht der Anklagende, sondern der Annehmende, der Anspornende. Er möchte, dass unser Leben, unsere Begegnungen von der Liebe bestimmt sind, eine echte, unverfälschte Liebe, von ganzem Herzen, die die Vergebung annimmt, die den andern annimmt, die Gott annimmt! Dann wären alle die Erinnerungen, all die Leitplanken der Gebote letztlich überflüssig. Weil wir aber darin längst nicht vollkommen sind, deshalb gilt es immer wieder neu auf seine Wegweisung zu hören.
Das tolle ist - der Esel kann beide Ohren unabhängig von-einander bewegen und im Extremfall mit einem Ohr nach vorn und mit dem andern gleichzeitig nach hinten hören. So sollten wir immer ein Ohr an Gott und ein Ohr an der Welt haben. Sind beide Ohren auf Gott ausgerichtet, so erscheint das zwar recht fromm, ist aber zugleich weltfremd. Wer dagegen beide Ohren an der Welt hat (und nicht mehr ein Ohr für Gott frei hat), der ist zwar „weltnah“ aber dafür zugleich „gottlos“. Darum einem Esel gleich einfach mit einem Ohr auf Gott hören, während wir mit dem andern zugleich ganz an der Welt dran sein sollten.

Die 3. Eselsbrücke ist die Geduld und Ausdauer eines Esels. Denn Gott kommt nicht auf der Überholspur im Vierzylinder mit 200 PS, sondern auf der Kriechspur für Vierhaxer mit einer Eselsstärke; denn, die Stärke eines Esels ist seine Geduld und die braucht Gott, weil er uns nicht überfahren will; und auch wir sollen uns nicht überfahren und schon gar nicht über den Mund fahren.

Die 4. Eselsbrücke ist das Schreien eines Esels. Haben Sie schon einmal einen Esel schreien hören? Ich kann mich noch gut entsinnen: Es war in Jerusalem, im Kidrontal, bei sengender Mittagshitze - alle hatten sich wohl niedergelegt, kein Mensch war zu sehen. Bloß ein Esel war da. Ich freute mich, ging auf ihn zu und sprach mit ihm, wie man eben mit einem Tier, mit einem Esel spricht. Auf einmal fing er an zu schreien. Und wenn so ein Esel schreit, dann geht das durch Mark und Bein. Aber was noch schlimmer ist, der hört ja nicht mehr auf. Alle meine Beschwichtigungsversuche nützten nichts. Sie glauben gar nicht, wie schnell ich weg war, aus Angst vor denen, die ich nun aufgeweckt hatte.
Achten wir darauf, wenn wir unseren Herrn in die Welt tragen, wenn wir auf Jesus zu sprechen kommen, dann versuchen nicht wenige uns zu beschwichtigen: Man muß ja nicht immer gleich alles so ernst nehmen. Man beschwichtigt uns, indem man von den Fehlern der Kirche spricht. Man beschwichtigt uns, indem man versichert, ein guter Mensch sein zu wollen. Doch Vorsicht, lassen wir uns nicht mundtot machen. Jesu Botschaft geht durch Mark und Bein. Auch dahin, wo kein anderer Mensch hineinsieht. Wer Jesu Liebe nicht annimmt, wer Jesus nicht ernst nimmt, der geht in Ewigkeit verloren, so steht es unmissverständlich in der Bibel.

Eine 5. Eselsbrücke sei seiner Sturheit gewidmet. So ein Esel läßt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Ich denke an die Zeit, als ich in Kirchheim im Vorort Ötlingen wohnte. Zweimal im Jahr zog ein Schäfer mit seiner Herde durch den Ort. Hinter der Herde trottete immer ein Esel drein, das zusammengerollte Pferch aufgepackt. Da der Weg der Herde an einem Supermarkt vorbeiführte, passierte es eines Tages, dass der Esel bei dem zur Straße hin aufgebauten Gemüsestand stehen blieb. Der Salat hatte es ihm angetan. Da es aber ein anständiger Esel war, begnügte er sich dann doch mit einer Zigarettenkippe, die er am Bordstein fand. Danach zog er der Herde hinterher. Es war ein köstliches Bild. Der Schafherde folgte eine riesige Autoschlage und inmitten dieser Schlange, durch sechs oder sieben Fahrzeuge von seiner Herde getrennt trottete seelenruhig der Esel hinterher. All die Betriebsamkeit, die Ungeduld der Autofahrer und die Hektik um ihn her konnten ihn nicht beeindrucken. Auch wir sollten uns durch die Hektik um uns her nicht aus der Ruhe bringen lassen. Lassen wir uns in unserem Christsein nicht entmutigen, denn es ist einfach unser Auftrag, Salz der Erde zu sein.

Die 6. Eselsbrücke hat mit den Beduinen zu tun. Für sie hat ein Esel trotz seiner Charakter-schwächen ungeheuren Wert. Im Orient wird er nämlich benutzt, um eine Karawane anzuführen. Ein Esel ist nötig, damit die Reihe der Lastkamele wirklich Tritt faßt. Wie das Salz zur Suppe, gehört der Esel zur Karawane. So, wie ein Esel für die übrigen Trampeltiere, haben auch wir Christen einen Auftrag, ein Zeichen der Ordnung zu geben, in einer Welt, in der so viel durcheinandergeht. Und das obwohl auch wir zuweilen launisch sein mögen oder stur wie ein Esel. Wichtig ist nur, wenn wir Zeichen der Ordnung setzen wollen, Impulse geben wollen, dass wir bei uns auch immer wieder Ordnung machen. Haben wir unser Leben in Ordnung? Haben wir unsere Unordnung vor Jesus ausgeräumt?
Also - wenn im Kinderzimmer Unordnung herrscht, dann findet man die Kinder zumeist überall, bloß nicht im Kinderzimmer. Ob wir uns wohl auch drum rum schleichen, weil in unserem Leben etwas nicht in Ordnung ist? Die Kinder haben's dann am liebsten, wenn jemand anderes für sie aufräumt. Machen wir's doch ebenso, lassen wir Jesus bei uns aufräumen. Nehmen wir Vergebung an und gestehen sie zu.

Die letzte, die 7. Eselsbrücke ist das Kreuz, durch welches das Fell des Esels gezeichnet ist. Jeder echte Esel hat solch ein Kreuz aus dunklen Haaren auf seinem Rücken. Der Längsstreifen reicht von der Mähne bis zum Schwanz und der Querstreifen von einem Vorderbein über das Rückgrat zum andern.
Mich erinnert es an meinen Herrn. Es erinnert mich, den Spuren Jesu nachzugehen. Sein Anliegen der Liebe in die Welt zu tragen.
Ist mein Leben vom Gekreuzigten gezeichnet?
Es ist kein Makel, sondern ein Gütezeichen.

Das waren Eselsbrücken zum Leben mit der Bibel; Eselsspuren aus der Bibel. Wer in ihr sucht, wer in der Bibel liest, merkt, dass sie das Buch des Lebens ist. Sie fördert das irdische Leben, weil sie uns das Wohl des Nächsten aufs Gewissen legt, und sie weist zum ewigen Leben, weil sie uns das Anliegen Christi ans Herz zu legen sucht. Amen!