Wochenspruch:
Christus spricht: Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit,
und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.
Offenbarung 1,18

Predigt zum Osterfest am 12. April 2020

Predigt an Ostern                                            Schorndorf, 12. April 2020
1. Korinther 15,19-28
                                     Pfarrer Thomas Fuchsloch

Gnade sei mit uns - und Friede, von Gott unserem Vater
und unserem Herrn Jesus Christus,
der da ist und der da war und der da kommen wird. Amen!

Der Predigttext für Ostern steht im 1. Korintherbrief, Kap. 15

19    Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus,
         so sind wir die elendesten unter allen Menschen.
20    Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten
         als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
21    Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist,
         so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
22    Denn wie sie in Adam alle sterben,
         so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.
23    Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus;
         danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören;
24    danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird,
         nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat.
25    Denn er muss herrschen, bis Gott ihm
        »alle Feinde unter seine Füße legt« (Psalm 110,1).
26    Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.
27    Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7).
        Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen,
        so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.
28    Wenn aber alles ihm untertan sein wird,
        dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem,
        der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.

Liebe Gemeinde,
alte Seeleute und Handwerksburschen trugen früher einen goldenen Ohrring. Dieser diente weniger als Schmuck, sondern mehr als eine Art Vorsorge. Denn von dem Erlös des goldenen Ringes war im Todesfalle wenigstens eine anständige Beisetzung gewährleistet.
Für das eigene Begräbnis vorzusorgen, mag gut und angemessen sein. Doch noch viel wichtiger ist die Vorsorge für das ewige Leben. Und das kann man wohl nicht mit einem goldenen Ring im Ohr, wohl aber mit einem klar ausgerichteten Sinn und einem lebendigen Glauben.

Dabei macht es einen entscheidenden Unterschied ob Jesus lediglich ein Vorbild für mich ist, oder aber, ob er als der Lebendige und Auferstandene in meinem Leben gegenwärtig ist. So gegenwärtig, dass ER mit seiner Auferstehungskraft in meinem Leben nicht nur Neues bewirken darf, sondern am Schluss mich auch ans Ziel zu bringen vermag.

Es ist letztlich die Frage nach den Zielen in unserem Leben. Paulus schreibt den Korinthern:
„Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen!“ Das leuchtet mir ein. Würden wir nämlich Jesus, als den Auferstandenen, aus dem Neuen Testament herausbrechen, dann bliebe nur noch ein Scherbenhaufen übrig - zwar in Form von schön bemalten Einzelstücken, aber eben nur als Bruchstücke und nicht als ein Gefäß, um daraus Glauben zu schöpfen. Ohne die Auferstehung Jesu wäre jede Predigt nur ein betrügerisches Geplapper, eine verbrecherische Täuschung der Menschen. Denn jeder Philosoph würde es dann besser machen. Dann wären wir keine Seelsorger - sondern Verführer!
Dann wäre es auch konsequent, die Seligpreisungen umzuschreiben - etwa so:
    - Getäuscht sind die Armen im Geist, denn es gibt keinen Himmel.
    - Irregeleitet, die reinen Herzens sind, denn sie werden nichts von Gott sehen.
    - Für immer unglücklich die Leidtragenden, denn für sie gibt es keinen Trost.
Dann brauchten wir auch nicht zu beten, denn das wäre dann doch bloß ein Selbstgespräch,
oder eine gruppendynamische Seelenmassage. Dann wären wir die elendesten unter allen Menschen!

In einer Zeit, in der alles und jeder hinterfragt wird, gilt es nichts zu verdrängen, sondern sich den Anfragen zu stellen:
    - Welchen Wert hat das alles, was ich da tue?
    - Welchen Bestand hat es, was wir leisten?
    - Welche Zukunft haben wir,
    - Welche Zukunft haben unsere Kinder?
    - Welche Zukunft hat unsere Welt?
Da tun wir gut daran, eben auch zu hinterfragen, was uns als Christen letztlich trägt und was Ostern uns noch zu geben hat?

Ich denke, es ist aufschlussreich, wie Paulus in unserem Predigttext den Gedankengang weiter entwickelt. Auf die Feststellung, wir seien die elendesten Menschen, wenn wir allein nur in diesem Leben auf Jesus hofften,    folgen zwei alles entscheidende Worte - „nun aber“.
In diesen zwei Wörtlein liegt Ostern versteckt: Nicht im Osternest - nicht im Osterei - nicht im Osterhasen, sondern hier, im Gotteswort.
In diesem „nun aber“ blüht Ostern auf: Nicht im Tulpenbeet - nicht im Magnolienbaum - nicht im Forsythienstrauch, sondern hier im Gotteswort! Dieses „nun aber“ macht Ostern für uns Christen zum alles entscheidenden Ereignis, zum Dreh- und Angelpunkt für unsere Ewigkeit.

Entscheidend ist, dass wir dieses „nun aber“ für uns, für unser Leben finden. Sonst würden wir Kindern gleichen, die ihren Osterhasen vergeblich suchen. Welch ein Drama wenn dann keiner da ist, der ihn zu finden hilft - mal mit „kalt“ oder „warm“ weiter hilft. Und noch schlimmer wäre es,wenn die Kinder das Suchen aufgeben wollten. Doch, was für Kinder undenkbar erscheint, leisten sich so viele Zeitgenossen. Nämlich keine Klärung für ihr Ewiges Leben suchen zu wollen.
Dabei hängt so viel an diesem „nun aber“! Denken wir doch einfach mal an die Schüler,
wenn sie aufatmen:
    - Nun ist's aber geschafft: Nun aber bin ich aus dem Schneider.
    - Oder der Patient, wenn er aufatmet: Nun aber bin ich auf dem Weg der Besserung.
    - Oder jene jungen Menschen, wenn sie endlich einen Job haben: Nun aber lässt sich
       die Zukunft planen, nun kann man endlich anpacken, was man sich schon so lange
       gewünscht und erträumt hat.
    - Oder denken wir an den Hauptmann unter dem Kreuz von Jesus: Nun aber war ihm klar,
       dass dies Gottes Sohn war!
So dürfen auch wir Christen durchatmen, ja aufatmen:
„Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen,
  die entschlafen sind!“
(1. Korinther 15,20)
Dieses „nun aber“,
    - diese zwei unscheinbaren Wörtlein trennen Räume: Vorher Dunkelheit, nachher Helligkeit;
    - diese zwei Wörtlein trennen Zeiten: Vorher Sterblichkeit, nachher Ewigkeit;
    - diese zwei Wörtlein trennen Welten: Vorher Vergänglichkeit, nachher Herrlichkeit!
„Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen,
  die Entschlafen sind!“

Was aber bedeutet es dann für mich, dass Jesus als Erster auferstanden ist diese Erstlingsfrucht für unserer Glauben gebracht hat? Nun - wenn man einen schwäbischen Weingärtner zu Beginn eines neuen Jahres fragt, was er vom neuen Jahr erwartet und wie‘s um seine Weinberge steht.
Dann weiß der sicherlich zu klagen, wie die Winterfröste alles zerstören können. Fragt man ihn im Frühjahr, dann weiß er, dass bereits ein leichter Nachtfrost die zarten Knospen und jungen Triebe zu zerstören vermag. Wenn dann im Mai oder Juni bei nassem, kühlen Wetter, die Blüte ins Wasser fällt, droht erst recht kein Traubenertrag. Im Sommer fürchtet der skeptische Wengerter den Hagel, Pilzerkrankungen oder zu frühe Fäule. Eigentlich ist das Sorgen erst gebrochen, wenn die erste Ernte in die Kelter eingebracht wird.  Erst die Erstlingsfrucht gibt wirklich Grund zur Freude.
So erging es auch den Menschen des Alten Testamentes. In großer Sehnsucht nach dem Messias erlebten sie ein Wechselspiel von Zagen und Hoffen. Nun aber - ist Christus die Erstlingsfrucht der Auferstehung. Er ist als Erster auferstanden von den Toten und den Jüngern, dem Paulus vor Damaskus - und noch vielen andern Zeugen erschienen. Da war dann bei ihnen die Freude aufgebrochen, die Zuversicht durchgebrochen. In der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus hatte die Ernte der Ewigkeit für sie schon begonnen. Im auferstandenen Jesus war die erste Frucht der Auferstehung eingebracht.
Als sie damals am Ende waren, als sie längst aufgegeben hatten, erlebten sie, dass Gott noch längst nicht am Ende war. Und so ist auch unser Glaube an die Auferstehung mehr als nur ein banges Hoffen, das womöglich auch enttäuscht werden könnte.

Gerade dann, wenn wir niedergeschlagen - wenn wir am Ende sind -  wenn wir fertig, fix und fertig sind - oder einer sogar mit Gott fertig ist, da ist Gott noch lange nicht am Ende!
Jugendliche würden sagen: „Da ist noch was drin!“ - „Das fängt doch erst an!“

Das wirkliche Ostern ist mehr als ein bloßer Osterspaziergang, bei dem man sich zwar erquickt, aber letztlich doch wieder am Ausgangspunkt herauskommt. An Ostern hat Gott die Macht des Todes schon einmal gesprengt. In Jesus hat Gott  sich für uns entschieden! Jesu Sieg über den Tod war ein eindeutiges Ja zu uns!
    - Kein knappes, vages Zitterergebnis im Mächtespiel dieser Welt;
    - kein Sieg im abschließenden Elfmeterschießen;
    - kein 100:99-Erfolg im Basketball;
     - kein „gerade noch mal davon gekommen“, mit der Angst, ob es beim nächstes Mal
      überhaupt noch reicht?
Gewiss, wir würden uns manchmal wünschen, von Jesu Siegeskraft mehr zu erleben. Denn es gibt es doch so viel Verkrustetes, Trennendes und Leidvolles aufzusprengen. Und doch gibt uns die Erstlingsfrucht der Auferstehung Jesu eine klare Perspektive: ER will mit uns ans Ziel kommen. ER will, dass wir am Ende bei IHM in der Ewigkeit ans Ziel kommen.
Und dabei gilt die klare Zusage, die ER bei seiner Himmelfahrt uns gegeben hat:
    „Siehe - ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“  Amen!


Christus ist auferstanden – ER ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!