Berichte aus der Gemeinde 2020

Salz- und Zwiebelkuchenfest

Sollten wir noch feiern, angesichts gefährlich steigender Infektioneszahlen – so fragten wir uns im Vorfeld? Wie gut, dass wir uns nicht von unseren Plänen abbringen ließen! Denn der Salz- und Zwiebelkuchen von Martin Feurstein genießt inzwischen in der Nordstadt einen legendären Ruf. Fast zu rasch waren wir ausverkauft. Viele kamen zwar nur an den Take-away-Schalter und nahmen Kuchen für zuhause mit, aber einige genossen den Kuchen auch in froher Gemeinschaft in der Kirche, mit Abstands- und Hygienekonzept. Unser Dank gilt allen fleißigen Helfern. Wir haben bei diesem Fest oft an Lotte Mühlhäuser gedacht, die über Jahrzehnte bei der Vorbereitung mitarbeitete und im März verstorben ist. Ihr Humor und ihre zupackende Lebensart fehlen uns als Gemeinde sehr, aber wir sind sicher: Auch sie hätte gewünscht, dass dieses Fest weitergeht.

Predigtreihe auf dem Grafenberg

„Gott ins Spiel bringen“ unter diesem experimentell klingenden Titel wurden auch in diesem Corona-Jahr unsere Gottesdienste im Grünen auf dem Grafenberg gefeiert. Lange Zeit war es unsicher, ob dies gelingen würde. Aber dann war der Lockdown zu Ende und die Gottesdienste im Grünen konnten tatsächlich stattfinden. Der Posaunenchor durfte nach Monaten zum ersten Mal wieder öffentlich spielen, als Dekanin Dr. Juliane Baur sich dem Spiel annäherte, indem sie über Scrabble predigte. Sie entfaltete spannende Fragestellungen z.B. ob das Wort „Gott“ ein Name ist (im Srcabble-Spiel verboten), oder ein Begriff (im Scrabblespiel erlaubt). Die Dekanin machte deutlich, dass Gott ein Begriff ist, sein Name aber ein Versprechen, nämlich „ich bin mit euch“! Die circa 60 Gottesdienstbesucher, die trotz Regen da waren, erlebten an vielen weiteren Stellen der Predigt, wie ein geistreiches Gesellschaftsspiel mit der rechten Interpretationsweise auf seine geistliche Tiefe hin gedeutet werden kann.

Pfarrerin Margarete Oesterle nahm sich einen Monat später das Skatspiel vor. Viele begeisterte Skatspieler sagten schon vor Gottesdienstbeginn: „Do benne gschpannt!“ Die Pfarrerin - selbst eine passionierte Kartenspielerin - riss einen weiten Horizont auf. Warum Kartenspiel Gemeinschaft fördert, warum spielen für Menschen eine große Bereicherung ist, warum ein Kreuz Bube zum höchsten Trumpf werden kann und für Christen der Gekreuzigte von Golgatha alles sticht, was einem im Leben wiederfahren kann. Warum wir als Geschöpfe Gottes immer noch ein Ass im Ärmel haben und warum beim Spiel einer „Null“ im Skat alle Verhältnisse umkehrt werden, ähnlich wie beim biblischen Satz: „Die Letzen werden die Ersten sein!“

Pfarrer Oesterle schloss die Predigtreihe mit einer Predigt über Schach. Auch bei diesem Brettspiel der Könige konnte er „Gott ins Spiel bringen“. Bis hin zur Frage, was uns mit der Entwicklung der künstlichen Intelligenz erwarten wird, spannte sich sein Predigtbogen. Denn seit der Weltmeister Gary Kasparow 1997 mehrere Partien gegen das Computerprogramm „deep blue“ verloren hat, muss zumindest den Spielinteressierten klar sein: Es gibt also längst eine maschinengestützte, geistige Fähigkeit, die menschliche Möglichkeiten übersteigen wird. Was für ethische Folgen bringt das mit sich und wie können in diese Entwicklung christliche Wertvorstellungen eingebracht werden? Die letzten beiden Gottesdienste konnten bei strahlender Sonne und jeweils weit über 200 Besuchern gefeiert werden.

Predigt vom 10. Mai 2020 von Pfarrerin Margarete Oesterle

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Schutzmasken aus China

Es war für unsere Paulusgemeinde ein bewegendes Erlebnis, wie die chinesischen Gemeinden, mit denen wir Verbindung haben, an uns denken und um uns besorgt sind. Sie boten uns an, Schutzmasken zu unserer Sicherheit vor dem Corona-Virus zu schicken. Ausdrücklich betonten sie, dass dies eine Spende sei als Dank für die Wohltaten, die ihnen die Missionare gebracht haben. Über drei Generationen ist diese Verbundenheit in der Liebe Christi noch wach und lebendig. Wir haben diese Masken an die Diakonie-Station und andere Pflegeeinrichtungen weitergegeben. Ende April erhielten alle Gemeindeglieder über 80 einen Brief mit zwei Masken.

Ostern 2020

Die Paulusgemeinde hat Ostern in Zeiten von Gemeinschaftsverbot so gestaltet, dass ein wenig Hoffnung in den Häusern und Herzen ankam. Bereits in der Passionswoche konnte man an der Glasfront der Kirche eine Ausstellung sehen, die mit biblischen Erzählfiguren die Leidensgeschichte und die Auferstehung Christi nachstellte. Unser Dank geht dabei an unsere Sekretärin Irmtraud Dannenhauer, die das wieder gestaltet hat. Am Karsamstag wurden Osterbriefe des Pfarramtes von Ehrenamtlichen in alle Haushalte gebracht. Am Ostersonntag stellten wir Ostertische mit Blumen, Kerzen und Schokolade an sechs Standorten im Gemeindegebiet auf. Die Kinderkirchmitarbeiter brachten jedem Kinderkirchkind das Osternest, das in normalen Jahren immer auf dem Kirchhof versteckt und von den Kindern gesucht wird. Rund ums Ostlandkreuz sammeln sich am frühen Ostermorgen zeitversetzt Wanderer aus der Gemeinde zum Morgengebet. Obwohl die große Osternachtsfeier dieses Jahr ausfallen musste blieb das Ostlandkreuz nicht ohne Gebet. Der von der evangelischen Jugend ausgedachte Flashmob mit Straßenkreide fand auch rund um die Pauluskirche statt. Keiner der Gottesdienste der Passionszeit ist ausgefallen, sondern alle wurden von Pfarrerin und Pfarrer Oesterle gefeiert. Leider ohne Gemeinde, aber im Vertrauen auf das orthodoxe Gottesdienstverständnis. Unsere orthodoxen Geschwister glauben, dass immer wenn die Liturgie gefeiert wird, sich auch eine Gottesgegenwart ereignet, unabhängig von den äußeren Umständen.

Weltgebetstag 6. März 2020

Auch in diesem Jahr feierten wir wieder einen ökumenischen Gottesdienst zum Weltgebetstag. Es ist schon eine lange Tradition, dass ein Team von Frauen aus der Paulusgemeinde und Frauen von der katholischen Kirchengemeinde St. Markus diesen Gottesdienst vorbereiten.

Frauen aus Simbabwe haben die Liturgie ausgearbeitet. Im Gottesdienst gab es anschauliche Informationen zum Land von Frau Pfarrerin Oesterle, außerdem erfuhren wir vom Leben, von den Sorgen und Nöten dieser Frauen. Im Gebet und mit Liedern waren wir mit ihnen im christlichen Glauben verbunden. Bei der Musikgruppe unter der Leitung von Esther Krohmer, bedanken wir uns für die schöne musikalische Gestaltung. Nach dem Gottesdienst gab es noch ein Beisammensein mit guten Gesprächen und landestypischem Essen.

Engelausstellung mit Predigtreihe

Im Januar fand an drei Sonntagen eine Engelausstellung mit Predigtreihe statt.

In der Ausstellung waren15 biblische Engel-Szenen dargestellt, die von Irmi Dannenhauer und Renate Decker liebevoll aufgebaut worden waren. Jeweils zwei dieser Szenen standen jeweils im Fokus der Predigt. Die Sitzordnung in der Kirche wurde jedes Mal verändert und auf die betreffende Szenen ausgerichtet. Dabei entstand ein doppelter Zugang zu den Engelsgeschichten, einer für das Auge, durch die Betrachtung der Szenen, einer über das Ohr, durch das Hören auf die jeweilige Predigt.

Folgende Themen wurden in den Predigten angesprochen:

12.1. Josefs Flucht nach Ägypten; Hagars Flucht (St. Kläger-Lissmann)

19.1. Jakob und die Himmelsleiter; Jesus in Gethsemane (M. Oesterle)

26.1. Die Taufe des Kämmerers; Paulus im Gefängnis (Th. Oesterle)