Berichte aus der Gemeinde 2018

Dank an die Eigentümergemeinschaft des Arnoldschen Weinberghauses

Wir haben uns sehr gefreut, dass wir in diesem Jahr die Gottesdienste im Grünen auf dem Grafenberg beim arnoldschen Weinberghaus feiern konnten. Die Aussichtsplatte war uns in diesem Jahr zu unsicher, da ihre gartenarchitektonische Ertüchtigung vor der Landesgartenschau ansteht. Wir sind der Familie Kistner sehr dankbar, dass wir drei wunderbare und sehr gut besuchte Gottesdienste im Grünen auf ihrem Areal feiern konnten und so die über 30jährige Tradition der Gottesdienste im Grünen nicht unterbrechen mussten. Wieder ging es um ein naturnahes Thema, nämlich um den Wert der Insekten angesichts eines verheerenden Insektensterbens.

Kindergarten-Gottesdienst: Die bunten Farben der Welt

Das Thema eines Familiengottesdienstes in der Pauluskirche Anfang Juli lautete: „Die bunten Farben des Lebens“. Die Kinder hatten sich mit Farben und ihrer Bedeutung beschäftigt und wollen jetzt im Gottesdienst deutlich machen: das Leben wird erst schön, wenn es bunt ist und nicht nur eintönig eine Farbe vorherrscht. Da die Kinder selbst aus ganz unterschiedlichen Herkünften stammen und im Kindergarten zusammen eine harmonische Gruppe bilden müssen, haben sie von den Farben und ihrer Buntheit viel gelernt. Sie haben an diesem Sonntag der ganzen Gemeinde mit einer Geschichte von verschiedenfarbigen Vögeln und ihrem vielstimmigen Gesang, die Botschaft von einer positiv-verstandenen Buntheit nahegebracht. Sie freuten sich an den vielen Besuchern in einer rappelvollen Pauluskirche. Im Anschluss folgte das Sommerfest des Kindergartens auf dem Kirchplatz.

Nach einer staatsgefährdenden Flüchtlingsdebatte

Angesichts der Erfahrung, dass wir über einer künstlich-aufgeheizten Flüchtlingsdebatte beinahe eine Bundesregierung verloren hätten, die kaum vier Monate im Amt ist, erscheint es mir sinnvoll, einmal konkret zu erzählen, wie sich der Zuzug vieler Flüchtlinge in der Pauluskirche ausgewirkt hat. Vielleicht entspannt ein realitätsnaher Pragmatismus ja manche Überzeichnungen, die niemandem nützen.

Nicht erst seit dem Jahr 2015, sondern schon ab 2013 haben wir in der Nordstadt gespürt, dass eine neue, große Flüchtlingsbewegung begann. Denn seitdem war das ÜWH in der Wiesenstraße wieder sehr voll. Diese große Flüchtlingsbewegung 2015 kam natürlich auch in unserer Kirchengemeinde an. Zunächst durch einzelne Gemeindeglieder, die ankommende Flüchtlinge unterstützten und sie in den Gottesdienst mitbrachten. Sie haben Kinder in der Wiesenstraße direkt nach ihrer Ankunft betreut und daraus wurden enge Beziehungen über Jahre. Einige der Kinder haben wir auch getauft. Dann durch mehrere Weihnachtsfeiern, die wir zusammen mit der „Aktion kinderreich“ für die Neuangekommenen in der Pauluskirche ausgerichtet haben. Auch durch ein großes Diskussionsforum, das in unserer Kirche stattfand, als die Häuser im Richterweg mit Flüchtlingen belegt wurden.

Unser Kindergarten hat mit viel Mut und genauem Blick für das einzelne Kind, eine anspruchsvolle Zahl an Flüchtlingskinder ins Kindergartenleben integriert und durch gezielte Sprachförderung den Start in die Grundschule erleichtert.

Eine der aufmerksamsten Schülerinnen im Religionsunterricht meiner Frau in der Grundschule, war ein Mädchen aus dem Iran, das aus einer christlichen Familie stammt und nun eine wohlbegründete Gymnasialempfehlung erhalten hat. In unserer Kirche haben zwei Mädchen aus Syrien Nachhilfeunterricht von einer Lehrerin im Ruhestand erhalten und haben es nach nur knapp zwei Jahren in Deutschland geschafft, eine mittlere Reife mit der Note 2,0 abzulegen. Sie werden jetzt berufliche Gymnasien besuchen.

Wir haben – still und leise und von wenigen bemerkt - 3 Monate lang einen Kirchenasylanten vor der Abschiebung geschützt. Wir lernten einen jungen Mann kennen, der jede Stunde Einsatz wert war und der bald die Lücke von dringend benötigten Facharbeitern im „Ländle“ durch seine hier absolvierte Facharbeiterausbildung helfen wird zu schließen. Auch das Arbeitsprojekt „Zauberfaden“ haben wir als Kirchengemeinde mit einer großzügigen Spende unterstützt.

Wir haben aber auch Bettelei an unserer Pfarrhaustüre erlebt, die nicht immer nach tiefer Not ausgesehen hat. Ja, wir haben auch erlebt, dass manche Integration sich als ein zähes und viele Jahre dauerndes Geschäft erweist, mit einem unsicheren Ausgang. Zu unterschiedlich sind die Sichtweisen auf das Leben zwischen Zuwanderern und uns Einheimischen. Ja, mache muslimische Flüchtlingseltern haben mit ihren Kindergartenkindern nicht an einem christlichen Familiengottesdienst teilgenommen, aber andere haben auch fröhlich mitgefeiert.

Und wir haben dabei geholfen, dass Menschen wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Wir wurden z.B. aufmerksam gemacht auf drei Romafamilien aus dem Kosovo, die mit dem großen Flüchtlingsstrom nach Deutschland gekommen waren, deren Rückführung in ihr sicheres Herkunftsland aber unmittelbar bevorstand. Alle drei Familien haben sich, während sie da waren, durch selbstverständliche und engagierte Mithilfe bei dem Hausmeister in der Wiesenstraße hervorgetan. So hatten sie in Deutschland praktischen Fähigkeiten erworben. Von einem Freund dieser Familien wurde die Idee als „Hausmeister-to-go“ im Kosovo ein kleines, eigenes Gewerbe aufzubauen, weiterverfolgt. Um aber im Bereich von Hausmeistertätigkeiten, Kleinreparaturen und Gartenarbeit im Kosovo anpacken zu können, brauchen diese Familien das nötige Werkzeug. Deshalb haben wir für jede der Familien ein Werkzeugsatz im Großhandel gekauft, den sie bei ihrer Heimreise mitnahmen. Das hat uns überschaubare Spendenmittel gekostet. Damit haben sie tatsächlich einen Kleinbetrieb aufgebaut. Die drei Familien bieten jetzt in ihrem Herkunftsland Handwerksdienstleistungen an. Das wird gut nachgefragt. Damit gelingt es ihnen, seit ihrer Rückkehr, auf eigenen Beinen zu stehen und im Kosovo ihre Existenz zu sichern. Gerne haben wir mitgeholfen diesen Start in die Selbstständigkeit zu ermöglichen. Es zeigt sich: Man kann auch Hilfe leisten für diejenigen, die keine Möglichkeiten haben in Deutschland zu bleiben.

In allen Aktivitäten war für uns der Zweiklang von Bundespräsident Joachim Gauck leitend: „Unser Herz ist weit – aber unsere Möglichkeiten sind endlich.“ Keine der oben genannten Aktivitäten hätten wir hinbekommen ohne großartige und sehr zeitintensiv helfende, ehrenamtliche Flüchtlingsbegleiter. Nur eingebettet in ihr Engagement war Hilfe möglich. Noch sind viele Fragen der gelingenden Integration nicht gelöst. Es zeigt sich, dass diese Aufgabe eher ein Langstreckenlauf und kein 100 Meter-Sprint ist. Immer sollte uns Christen bei dieser Aufgabe die biblische Weisheit leiten, die uns erzählt, dass auch Mose und Jesus Flüchtlinge gewesen sind, die außerhalb ihrer Heimat Schutz suchen mussten, einfach um zu überleben.

Weltgebetstag der Frauen

Am Freitag dem 2. März fand wieder eine lebendige Feier des Weltgebetstags in der Pauluskirche satt. Mit einer Liturgie aus Surinam kamen südamerikanische Rhythmen, Lebensfreude und Schöpfungssensibilität bei uns in Deutschland an. Wieder hatten sich in der Nordstadt viele Frauen aus unterschiedlichen Konfessionen auf den Weg gemacht, um ein fremdes Land und die Lebenssituation der Frauen in diesem Land wahrzunehmen und im Gebet zu begleiten. Anschließend traf man sich zu südamerikanischen Leckereinen im Gemeindesaal. Wie immer gab es einen Verkauf von fair gehandelten Waren aus der einen Welt und ein äußerst großzügiges Opfer von über 700€ machte deutlich, wie geschätzt die Weltgebetstagsbewegung bei uns ist. Unser Dank gilt dem Musikteam unter der Leitung von Esther Krohmer, allen Frauen, die fleißig vorbereitet und nachgearbeitet haben und Pfarrerin Oesterle, bei der die Planungsfäden zusammengelaufen sind.
Nicht nur die Frauen, sondern auch die Kinder der Paulusgemeinde widmeten sich den Weltgebetstagsland Surinam. Sowohl in der Kinderkircharbeit, als auch bei einem Krabbelgottesdienst „für kleine Leute“ wurden so spannende neue Entdeckungen gemacht. Die Kinder im Krabbelgottesdienst bastelten selbst schöne Schmetterlinge nach, die es in Surinam so reichlich gibt

Tauferinnerungsgottesdienst

Am Sonntag nach Ostern, der den schönen Namen trägt: „Wie die neugeborenen Kinder“ hat die Paulusgemeinde alle Kinder aus dem Gemeindeglied eingeladen, die in der zweiten oder dritten Klasse sind. In einem Familiengottesdienst den Pfarrerin Oesterle gestaltete, wurde die Kinder an ihre Taufe erinnert. Was ist wichtige daran, dass ein Mensch getauft ist, warum sind „unsere Namen in Himmel geschrieben“, was bedeutet geschenkte Gnade? Diesen Fragen gingen die Kinder mit Aktionen, Liedern Filmsequenzen und Zuhören nach. Am Ende des Gottesdienstes bekamen alle Kinder eine schöne Kinderbibel von der Gemeinde überreicht. Mit kindgerechten Bildern und lebendig nacherzählten biblischen Geschichten sollen sie nun, da sie in der Schule lesen gelernt haben, selbst einen Zugang zur frohen Botschaft finden