Tradition verpflichtet ..." Lesen Sie ein bißchen über die Ursprünge unseres ehrwürdigen und denkmalgeschützten Kirchenbaus ...

DIE GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER KIRCHE IN SCHORNDORF
Im 6. Jahrhundert ist das Herzogtum Alemannien christianisiert worden. Damals gewährten die neuen fränkischen Herren den Winterbacher Gauvorstehern das Eigenkirchenrecht: Ihnen stand die Entscheidung über Kirchbauten und die Ernennung von Geistlichen zu. So entstanden erste Kirchbauten in Winterbach und im Schorndorfer Westbereich ”Uff dem Sand”. Die Schorndorfer Kirche war bis ins 13. Jahrhundert hinein eine Filiale der Winterbacher Muttergemeinde. Seit 1275 ist Schorndorf als selbständige Pfarrei bezeugt. Spätestens 1359 war Schorndorf Mutterkirche der Gemeinden in Winterbach, Weiler und Geradstetten. 1534 ist mit der Einführung der Reformation in Württemberg auch die Schorndorfer Kirchengemeinde evangelisch geworden.
DIE BAUGESCHICHTE DER STADTKIRCHE
Die fränkische Holzkirche wurde im 12./13. Jahrhundert durch einen Steinbau im staufischen Wehrkirchenstil ersetzt. Diese Kirche hatte ein Ausmaß von etwa 25 mal 15 Meter. Im 15. Jahrhundert fiel die Entscheidung für einen Neubau. Hierzu wurde 1465 ein Ablass ausgeschrieben, dem ein weiterer zur Finanzierung des Turmbaus folgte. Zum Osterfest 1477 konnte mit dem Bau der dreischiffigen Hallenkirche im spätgotischen Stil begonnen werden.
Der Stuttgarter Baumeister Aberlin Jörg begann den Kirchbau auf der Westseite. Um 1488 waren die Wände des Langhauses bis zum Nordportal fertiggestellt. Nach dem Tod von Aberlin Jörg hat der Uracher Baumeister Peter von Koblenz weitergebaut. Um 1500 waren das Kirchenschiff und der Glockenturm vollendet. Gegen 1502 wurde durch Jakob von Urach die Marienkapelle erbaut. Auch das Rippengewölbe mit der Wurzel Jesse dürfte auf Jakob von Urach zurückgehen, der dafür wohl einen Entwurf von Anton Pilgram verwendet hat. Der Hochchor wurde noch von Jakob von Urach begonnen, dann aber (um 1530) von dem Schorndorfer Steinmetzen Thomas Busch fortgeführt.
Gegen 1560 war der Hochchor im Wesentlichen fertiggestellt. Jörg Busch, der Sohn des Thomas Busch, hat dann noch die Wasserspeier, die Kreuzblumenbekrönungen und den Chorumgang gestaltet. 1579 ergänzte der Allgäuer Steinmetzmeister Caspar Schnitzer das Schiff durch die Zwillingswendeltreppe, die einen Zugang zu den Emporen vom Kirchplatz aus ermöglichte.
Am 24. November 1634 wurde Schorndorf durch kaiserliche Truppen in Brand geschossen. Fast die gesamte Stadt brannte damals nieder. Auch die Kirche geriet in Brand, das brennende Dach stürzte in das Schiff. Hoch- und Marienchor sowie die Portalvorhallen blieben stehen. Man hat dann zunächst eine Notkirche im Chor eingerichtet; dann wurde das Langhaus nach einer großen Sammelaktion, die 1642 begann, neu aufgebaut. Der Ulmer Baumeister Josef Furtenbach wandelte bis 1660 die ursprünglich dreischiffige Hallenkirche in eine Predigtsaalkirche um. Die Kanzel kam an die Nordwand, der Altar blieb an seinem Platz vor dem Chor. Grund für diese Umstrukturierung dürfte das veränderte Gottesdienstverständnis sein, das nun die Predigt in den Mittelpunkt stellte. Den Dachstuhl mit seiner sehr stabilen Hängekonstruktion fertigten die Ulmer Werkmeister Lienhardt und Buchmüller. Er trägt die den gesamten Raum überspannende Kassettendecke. 1709 folgte eine Revidierung: Man rückte die Kanzel wieder an den Chorbogen.
Ein weiterer Umbau erfolgte 1767 durch Johann Friedrich Weyhing. Er erneuerte die Emporen, nun in sehr geschwungenen Formen. Die Kanzel rückte nun wieder an die Nordseite des Langhauses. 1902 erfolgte eine gründliche Außen- und Innenrenovierung durch den Stuttgarter Baurat Heinrich Dolmetsch. Im Innern wurde der Quersaalgedanke konsequent verwirklicht: Auch Taufstein und Altar rückten nun an die Nordwand. Unter den zum Korbbogen umgestalteten Chorbogen brachte man eine Sängertribüne an, was den Ausblick in den Chor erheblich behinderte; die Emporenführung wurde stark vereinfacht. Neu erstellte man die beiden oberen Geschosse des Turms in neugotischem Stil und erneuerte auch den Treppenturm.
Die letzte große Umgestaltung 1958, für die Professor Paul Heim verantwortlich zeichnete, entschied sich wiederum für die Längsorientierung der Kirche. Die Kanzel kam wieder an den Ort von 1709, der Altar unter den Chorbogen. Der Taufstein fand seinen Platz vor der nunmehr geöffneten Marienkapelle, die vorher zugemauert und als Sakristei genutzt worden war. Die neue Orgel kam auf die Westempore. Damit wurde der ursprünglichen Raumkonzeption entsprochen; die Gottesdienstbesucher haben wieder freien Ausblick in den Hochchor. Einziger Nachteil dieser Raumaufteilung sind die erheblichen Entfernungen im Gottesdienstraum.